Verminderung von akustischen Störungen bei präventivmedizinischen Feldstudien
Stefanie Grünewald, Jürgen-Philipp Rocky Spieske, Alexander Witzki, Manuela Andrea Hoffmann
Einleitung
Die Erhebung von präventivmedizinischen Daten (Befragungen, psychologische Leistungsmessungen) in der Feldforschung ist anfällig für akustische Störungen durch Lärm, Stimmen und Umweltgeräusche. Diese können gravierende Auswirkungen auf einzelne Werte haben und im schlimmsten Fall die Gesamtergebnisse von Studien verfälschen. Ziel der vorliegenden Studie ist die Analyse der Auswirkungen von akustischen Störungen und der Reduktion der Effekte derartiger Störungen durch Einspielen von Rosa Rauschen (1/f Rauschen).
Methode
74 Probanden (47 männlich, 27 weiblich; Alter: 19–65 Jahre) absolvierten auf einem Tablet-Computer insgesamt viermal die „Zahlenspanne rückwärts“, einen psychologischen Leistungstest zur Ermittlung der Arbeitsgedächtniskapazität. Der Test erfordert das kurzfristige Behalten von 3 bis 8-stelligen Zahlenfolgen und deren anschließende Wiedergabe in umgekehrter Reihenfolge. Während des Tests wurden über Kopfhörer zusätzlich akustische Störgeräusche und/oder Rosa Rauschen eingespielt. Die Abfolge der einzelnen Testbedingungen war dabei pseudo-randomisiert. Die Analyse der so gewonnenen Daten erfolgte in einer zweifaktoriellen („mit/ohne Rosa Rauschen“ und „mit/ohne akustische Störung“) Varianzanalyse mit Messwiederholung.
Ergebnisse
Signifikante Haupteffekte ergaben sich sowohl für akustische Störung (F(1,73) = 8.49, p = .005, η2 = .104) als auch für Rosa Rauschen (F(1,73) = 4.01, p = .049, η2 = .052). Diese waren allerdings gegenläufig: Während das Einspielen von akustischen Störungen die Arbeitsgedächtnisleistung verminderte, verbesserte sie sich unter Rosa Rauschen. Die Interaktion von akustischer Störung und Rosa Rauschen war zwar nicht signifikant (F1,73) = 1.67, p = .201), allerdings fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen der Kontrollbedingung ohne Störungen und ohne Rosa Rauschen und der Experimentalbedingung mit Störungen und mit Rosa Rauschen (t(73 = 0.47, p = .639).
Diskussion
Akustische Störungen reduzieren die Leistung bei der „Zahlenspanne rückwärts,“ während Rosa Rauschen zu einer Leistungsverbesserung führt. Sofern Rosa Rauschen eingespielt wird, kann deswegen auch bei akustischen Störungen eine vergleichbare Leistung wie unter idealen Testbedingungen ohne Störungen (und ohne Rosa Rauschen) erreicht werden. In der vorliegenden Analyse war die zugehörige Interaktion allerdings nicht signifikant, sodass diese Untersuchung anhand einer größeren Stichprobe wiederholt werden sollte.
Abb. 1: (A) Frequenzspektrum von Rosa Rauschen
(B) Signifikante Haupteffekte: Leistungsreduktion bei akustischer Störung, Leistungsverbesserung bei Rosa Rauschen, keine Interaktion zwischen beiden
Schlussfolgerung
Die durch akustische Störungen verursachten Leistungseinbußen in psychologischen Testverfahren können durch Rosa Rauschen reduziert werden. In Feldstudien kann deshalb das Einspielen von Rosa Rauschen über Kopfhörer zur Vermeidung von Ergebnisverzerrungen und hohen Ausfallquoten beitragen. Dies gilt insbesondere in Bereichen, in denen akustische Störungen während der Datenerhebung zu erwarten sind, wie z. B. im Krankenhauskontext.
Für die Verfasser
Stefanie GrünewaldInstitut für Präventivmedizin der Bundeswehr
Andernacher Strasse 100, 56070 Koblenz
E-Mail: instpraevmedbwa3@bundeswehr.org