ZUKUNFT WOLLEN. ZUKUNFT MACHEN.

Bericht vom Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2024

Vom 22. bis 25. Oktober 2024 fand der diesjährige Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin statt. Mehr als 8 000 Teilnehmende aus 58 Ländern bildeten sich an vier Tagen unter dem Motto „Zukunft wollen. Zukunft machen.“ fachlich weiter. Die Orthopäden und Unfallchirurgen der Bundeswehr gestalteten dabei drei beeindruckende Sitzungen. Die bemerkenswert hohe Zahl an Anwesenden zeigte, welches überaus großes Interesse die Themen des Sanitätsdienstes auf diesem Kongress wecken konnten.

Über drei Sitzungen, die von der Sektion Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (EKTC) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und Orthopädie, organisiert unter der Federführung von Oberstarzt Prof. Dr. Axel Franke, soll wegen ihrer politischen Bedeutung besonders berichtet werden.

Die Vormittagssitzungen des 22. Oktober 2024 standen unter der Überschrift „Krieg, Terror und Gewalt – Herausforderungen“, mit insgesamt 8 Einzelvorträgen von chirurgischen Experten aus den Bundeswehrkrankenhäusern zu verschiedenen Facetten. Oberstarzt Dr. Christoph Güsgen, Koblenz, sprach über die Folgen moderner Kriegsverletzungen aus dem Ukraine-Krieg sowie deren Auswirkungen auf Akutversorgung und Rettungskette. Er betonte dabei die überlebenswichtige Kompetenz in der Chirurgie der Körperhöhlen. Oberstarzt Priv.-Doz. Dr. Gerhard Achatz und Oberstarzt Prof. Dr. Benedikt Friemert, beide aus Ulm, befassten sich mit den kriegsrelevanten operativen Skills, den erreichbaren Behandlungsergebnissen und machten dem überwiegend zivilen Publikum deutlich, was im Falle eines Konflikts auf Deutschland zukommen könnte. Insbesondere der Vortrag von Friemert beeindruckte durch die zu bewältigenden hohen Verletztenzahlen. Abgerundet wurde der Vormittag mit der Kasuistik von Oberfeldarzt Dr. Pavlu, Koblenz, der die Grenzen der knöchernen Rekonstruktion nach einer Kriegsverletzung aufzeigte.

Die Nachmittagssitzung hatte die zivil-militärische Zusammenarbeit zum Thema. Den Eröffnungsvortrag hielt der Befehlshaber des zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann. Er betonte den Schulterschluss des Sanitätsdienstes mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss und dem Traumanetzwerk der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie; genauso müsse im Falle der Landes- und/oder Bündnisverteidigung Versorgung Verwundeter in zivil-militärischer Koordination und Kooperation erfolgen.

Generaloberstabsarzt Dr. Hofmann beim Eröffnungsvortrag (Bild: H.P. Becker)

Direkt daran anschließend machte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Prof. Josef Hecken, Berlin, genau diesen Sachverhalt noch einmal deutlich und verwies auf die notwendige Resilienz von Gesundheitssystemen. Oberstarzt Prof. Dr. Franke, Ulm, griff gerade diesen Aspekt auf und konnte deutlich machen, dass es bereits etablierte Konzepte für die Verteilung von Kriegsverletzten gibt, die sich bei geringer Patientenanzahl bewährt haben. Als Schlussredner dieser Session fasste der Vorsitzende des Wehrmedizinischen Beirats, Prof. em. Dr. Tim Pohlemann, diese Gedanken noch einmal zusammen und betonte deutlich den hohen Nutzen einer geübten und vertrauensvollen zivil-militärischen Vernetzung.

Fazit

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr war ein ganz wesentliches Element dieses Kongresses. Zahlreiche Beiträge und Aktivitäten, u. a. ein Stand des Bundesamtes für Personalmanagement, fanden reges Interesse bei den Kongressteilnehmenden. Das Motto „Zukunft wollen. Zukunft machen.“ wurde von allen Beteiligten mit Leben erfüllt.

Prof. Dr. Horst Peter Becker
Generalarzt a. D.