Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
In der Ihnen vorliegenden neuesten Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift dreht sich alles um wehrmedizinisch relevante Aspekte von Public Health und Force Health Protection – wie die WordCollage mit Herz nebenan verdeutlicht. Im Leitartikel werden sie eine auf sozialtheoretischen Modellen basierende Health-Policy-Analyse zur Entwicklung des zukünftigen Force Health Protection-„Hubs“ für NATO-, EU- und Partnership for Peace-Nationen vorfinden. Deutschland soll in der Bündnisverteidigung als Drehscheibe in Europa fungieren; im Bereich Public Health bedeutet dies naturgemäß auch die Bereitstellung einer digitalen Plattform für ein entsprechendes Lagebild: aus zahlreichen Bereichen der Surveillance, Near Real Time Surveillance, Medical Intelligence & Information (MI2) und dem Meldewesen im One Health-Ansatz für den Gesundheitsschutz der Truppe und damit der Funktionalität der Streitkräfte.
In der Rubrik „Innovativ und Normativ“ wird für den Bereich des Gesundheitsschutzes und der Prävention die neue Methodik zur Evaluierung duldungspflichtiger Impfmaßnahmen der Bundeswehr analysiert und diskutiert. Es handelt sich um ein ganzheitliches, sogenanntes Evidence-to-Decision-Framework von Fachleuten als Empfehlung für unser Führungspersonal. In diesem Zusammenhang ist auch der dargestellte ethische Diskurs zu verorten.
„Visuell und Kommunikativ“ liefert Ihnen Einsichten in die Entwicklungen unserer digitalen MI2- & Surveillance-Lageführung der letzten Jahre – beginnend mit den ersten Dashboards der Corona-Pandemie. Digitale Lagebilder vermögen komplexe Informationen zeitnah für Entscheidungsträger und Fachleute sowie für ein breites Publikum zu visualisieren. Da letztlich Lagebilder wie Dashboards ein weiteres Mittel zum Zweck der Risikokommunikation darstellen, wird Ihnen hier das Beispiel zeitgemäßer wie komplexer Risikokommunikation am Beispiel von MPOX im Jahr 2022 vorgestellt.
In „Surveillance – Near Real Time und Down Under” erhalten Sie Einblick in die aktuelle Arbeit der NATO MilMed CoE DHSC zum Frühwarnsystem aus tablet-basierter, anonymisierter Patientendokumentation sowie zu den Sonderforschungsvorhaben zum Abwassermonitoring des Sanitätsdienstes. In der Corona-Pandemie hat die Münchner MI2-Einheit in Kooperation mit der Technischen Universität München (TUM) im Landkreis Berchtesgadener Land das erste landkreisweite, operative Abwassermonitoring sowie umfängliche digitale Lageführung in Deutschland entwickelt, das später zur Blaupause für das Bundesgesundheitsministerium wurde. Ein erstes 24/7-Abwassermonitoring in Gao/MALI wurde zudem militärisch als internationaler Prototyp entwickelt. Die Erkenntnisse aus den Tiefen der Abwassersysteme liefern als Frühwarnsysteme insbesondere infektionsepidemiologisch höchst wertvolle Erkenntnisse und sind inzwischen relevanter Bestandteil des zunehmend ausgebauten digitalen FHP-Lagebildes.
Die Zeit drängt durch diejenigen, die sich von unseren liberalen Demokratien gestört fühlen. Die stärkste Waffe besteht in der Abschreckung durch resiliente, kohäsive und aufgeklärte Gesellschaften mit gemeinsam funktionellen wie agilen Streitkräften und ihren genauso funktionellen wie agilen Sanitätsdiensten. Mögen wir alle dazu beitragen.
Mit herzlichen Grüßen aus dem schönen München
Ihre Dr. Katalyn Roßmann
Oberstveterinär