Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
in den aktuellen Zeiten zunehmender Unsicherheit bekommen Fragen der „Kriegstüchtigkeit“ in den Streitkräften einen größeren Stellenwert. Dazu ist es nicht nur wichtig, das Militär angemessen auszustatten und auszubilden, sondern auch die psychische und körperliche Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten sowie deren Motivation zu erhalten und zu fördern.
In dieser Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift soll am Beispiel des Bundeswehrkrankenhauses Berlin verdeutlicht werden, dass ein Miteinander der verschiedenen Dienste und Berufsgruppen in der Bundeswehr mehr Kreativität und damit auch bessere Ergebnisse erzielen kann. Wehrwissenschaft lebt von der Pluralität der Perspektiven und Heterogenität im Denken. Das Psychotraumazentrum am Bundeswehrkrankenhaus Berlin gestaltet eine erfolgreiche Kooperation von Militärseelsorge, Sozialdienst, Psychologischem Dienst und Sanitätsdienst, die sich unter anderem anhand vieler unterschiedlicher Publikationen interdisziplinärer Autorenteams erkennen lässt.
Schon zu Beginn der militärischen Karriere, bei der Personalauswahl, werden kognitive, physische und psychologische Fähigkeiten festgestellt, um den komplexen und teilweise extremen militärischen Anforderungen gerecht zu werden. Im weiteren Verlauf des militärischen Dienstes werden die Soldatinnen und Soldaten dann durch die Fachdienste mit psychosozialem Auftrag bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützt. Wenn jeder Fachbereich seine Expertise einbringt, wird sich das auch positiv auf das seelische und körperliche Wohlbefinden der Bundeswehrangehörigen auswirken.
Die Heterogenität von Sanitätsdienst, Psychologischem Dienst, Sozialdienst und Militärseelsorge sowie deren Zusammenspiel erfordert ein hohes Maß an Kommunikation und Abstimmung. Die Eigenständigkeit der Dienste bietet jedoch die größte Wahrscheinlichkeit, dass jede Profession ihre Kernkompetenzen am besten einbringen kann. Dadurch ist dem gemeinsamen Ziel einer verteidigungsbereiten Bundeswehr am meisten gedient. Bei der gegenwärtigen Häufung von Konflikten, Unsicherheiten und Krisen sowie möglichen gesellschaftlichen Spaltungen und Spaltungstendenzen der internationalen Bündnisse ist ein starker Zusammenhalt geboten. Daher ist das Zusammenspiel der vier genannten Bereiche wichtiger denn je, um geeignete Maßnahmen für die körperliche und mentale Leistungs- und Durchhaltefähigkeit unserer Armee zu gewährleisten.
Mein Wunsch für die kommenden Jahre ist, dass wir noch intensiver kooperieren können, einander in unseren Projekten und Verantwortungsbereichen unterstützen, uns ergänzen und so weiter optimieren im Sinne unseres gemeinsamen Auftrags.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen der wissenschaftlichen Lektüre,
Ihr
Regierungsdirektor Priv.-Doz. Dr. Dipl.-Psych.
Ulrich Wesemann