Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
Hinter dem Sanitätsdienst der Bundeswehr liegen arbeitsreiche Monate. Auch das Jahr 2026 wird eine Vielzahl von Veränderungen mit sich bringen.
Bedingt durch die bedrohliche Sicherheitslage und die Weiterentwicklung der NATO steht die Bundeswehr insgesamt vor der Herausforderung, sich umfassend auf die Landes- und Bündnisverteidigung ausrichten zu müssen. Die Weichen dafür sind gestellt, und es gilt nun, die Verteidigungsfähigkeit rasch und konsequent zu erhöhen. Dazu werden in den nächsten Monaten mit dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr und der Verteidigungsaufstellung der Streitkräfte wesentliche Grundlagen erarbeitet, damit die Bundeswehr in den kommenden Jahren auf 460 000 Soldatinnen und Soldaten einschließlich Reservisten aufwachsen kann und über eine leistungsfähige Ausstattung verfügt.
Für den Sanitätsdienst der Bundeswehr heißt dies, die Konzentration auf den Auftrag, die bruchfreie Gesundheitsversorgung vom Ort der Verwundung bis zur Rehabilitation zu gewährleisten und dabei alle Anteile einschließlich Prävention, Gesundheitsschutz, Ausbildung und Inübunghaltung, wehrmedizinischer Forschung und Weiterentwicklung sowie Sanitätsmaterialversorgung in ausreichender Quantität und Qualität abzubilden.
Das bedingt einen kritischen Blick für die Unterstützungskräfte der Bundeswehr insgesamt über alle Führungsgrundgebiete und Planungskategorien. So gilt es, z. B. im Bereich Personal, die sanitätsdienstlichen Kapazitäten so zu erhöhen, dass die Kampftruppe zuverlässig und durchhaltefähig versorgt werden kann. Der personelle Aufwuchs der Bundeswehr, auch in Verbindung mit dem neuen Wehrdienstmodell, muss im richtigen Proporz geschehen. Das sowie die Verbesserung der materiellen Ausstattung sind Voraussetzungen für eine hohe Reaktionsfähigkeit. Beschaffungsprozesse und das zu rüstende Material müssen sich an den Erfordernissen moderner Kriegsführung orientieren und dabei auch neue technische und innovative Lösungen in den Blick nehmen. Das Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr wird ein wichtiger Schritt und soll Anfang 2026 in Kraft treten. Intern müssen wir unsere Prozesse der Rettungskette wieder an hohen Verwundetenzahlen in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung ausrichten, aber auch gesamtstaatlich denken. Bei einer absehbar angespannten Ressourcenlage gilt es, eigene Abläufe schneller, effizienter und ggf. neu zu gestalten sowie gleichzeitig mit Bund, Ländern, zivilen Hilfsorganisationen, Krankenhausträgern und weiteren Beteiligten die Patientensteuerung, -verteilung und -behandlung konzeptionell und vertraglich zu regeln. Wir werden die Herausforderungen nur im engen Schulterschluss mit dem zivilen Gesundheitswesen und multinationalen Partnern meistern können. Die Zusammenarbeit und Vernetzung der einzelnen Bereiche müssen gestärkt und über strukturelle sowie organisatorische Grenzen hinweg gedacht werden.
Der Sanitätsdienst der Bundeswehr nimmt in Deutschland eine Vorreiterrolle bei der Ausgestaltung einer krisenfesten Gesundheitsversorgung von der Prävention bis zur Rehabilitation ein. Das von uns im Juni dieses Jahres initiierte Symposium „Gesundheitsversorgung in der Landesverteidigung“ hat den bestehenden Handlungsbedarf klar herausgestellt. Ziel ist es, über Berufs- und Dienstgradgruppen und organisatorische Grenzen hinweg zusammenzuwachsen. Mit einer robusten und belastbaren sanitätsdienstlichen Versorgung für unsere Soldatinnen und Soldaten leisten wir einen relevanten Beitrag zur durchhaltefähigen Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte. Der bestmöglichen Unterstützung der Truppe gilt daher unser Hauptaugenmerk, und dies wird uns am besten durch eine enge Kohäsion mit den zu unterstützenden Verbänden gelingen. Wir, als Angehörige des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, stehen aus Überzeugung hinter unserem Leitspruch „Der Menschlichkeit verpflichtet“ und sind uns der damit einhergehenden Verantwortung voll bewusst. Dazu braucht es eine geschlossene Teamleistung, aber auch die Professionalität jedes Einzelnen. Wer mit Überzeugung und Integrität vorangeht, inspiriert andere, es ihm gleichzutun – nicht durch Worte, sondern durch Taten. Wissend um die Unteilbarkeit der Verantwortung und durch fachliches Können überzeugen wir auch als militärische Führer.
Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr und nun viel Freude beim Lesen, Entdecken und Weiterdenken!
Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann
Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr