Generalarzt a.D. Dr. Verena von Weymarn zum 80. Geburtstag
Die erste Generalin der Bundeswehr und ehemalige Chefärztin des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag, zu welchem wir ihr ganz herzlich gratulieren möchten.
Am 16. Juli 1943 wurde Frau Generalarzt a.D. Dr. von Weymarn im damals deutsch besetzten Riga unter dem Mädchennamen von Stritzky geboren; ihr Vater fiel noch vor ihrer Geburt an der Ostfront. Sie floh mit ihrer Mutter nach Westen und wuchs zunächst in Hannover auf, ihr Abitur machte sie 1964 in Göttingen. Hier begann sie auch das Studium der Humanmedizin, welches sie in München fortsetzte und 1971 erfolgreich beendete. Die Promotion erfolgte 1976.
In den Jahren 1972 und 1975 kamen ihre beiden Töchter auf die Welt. Schon zu dieser Zeit wagte Frau Dr. von Weymarn zusammen mit ihrem Mann, der als selbstständiger Architekt arbeitete, den damals unüblichen Spagat zwischen Familienleben und einer Karriere als Ärztin.
Mit der Entscheidung des Bundeskabinetts unter Kanzler Helmut Schmidt vom 19. Februar 1975 war es möglich, Ärztinnen, Zahnärztinnen, Tierärztinnen und Apothekerinnen in der Bundeswehr einzustellen. Nachdem sie noch im Geburtsjahr ihrer zweiten Tochter über einen Artikel in der Münchner Abendzeitung von den ersten fünf Frauen in Uniform erfahren hatte, bewarb sich Frau Dr. von Weymarn als Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr und wurde nach Bonn eingeladen.
Am 1. September 1976 trat sie ihren Dienst als Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr im Dienstgrad Stabsarzt an. Einen Monat später war sie im Luftwaffenversorgungsregiment Erding als einzige Frau für die medizinische Versorgung von 3 000 Soldaten verantwortlich. Hier wurde Frau Dr. von Weymarn zum Oberstabsarzt befördert und wurde bereits nach 3,5 Jahren zum Staffelchef und Oberfeldarzt der Luftwaffensanitätsstaffel ernannt. Im Frühjahr 1983 erfolgte die Versetzung an ihre vorgesetzte Dienststelle, das Luftwaffenunterstützungskommando in Karlsruhe, wo sie als Kommandoärztin im Bereich Führung und Management tätig war. Während dieser Verwendung zog sie gemeinsam mit ihrer Familie für ein halbes Jahr nach San Antonio/Texas zur U.S. AirForce, wo sie an dem internationalen Fliegerarztlehrgang teilnehmen durfte.
Nach ihrer Rückkehr führte ihr Weg sie nach Meßstetten zur 1. Luftwaffendivision auf der Schwäbischen Alb, wo ihr zahlreiche Sanitätsstaffeln und Fliegerarztstaffeln unterstellt waren. Es war eine ihrer schönsten Verwendungen, während der sie zum Oberstarzt befördert wurde. Danach wurde sie die erste Chefärztin eines Bundeswehrkrankenhauses in Gießen, einem 350-Bettenhaus mit rund 800 Mitarbeitenden. Hier verbrachte Dr. von Weymarn eine herausfordernde Zeit und begleitete unter anderem die Reorganisation des Bundeswehrkrankenhauses nach Ende des Ost-West-Konflikts.
Im Februar 1993 ging es dann für ein halbes Jahr zum NATO Defence College nach Rom, in dessen Auftrag sie die ganze Welt bereiste. An ihrem 50. Geburtstag sollte nochmal Geschichte geschrieben werden: mit Wirkung zum 1. April 1994 wurde sie vom damaligen Bundesverteidigungsminister Volker Rühe zur ersten Frau im Generalsrang in der deutschen Militärgeschichte ernannt und mit der Übernahme der Dienststelle des Generalarztes der Luftwaffe in Lohmar-Heide betraut. Schon im darauffolgenden Jahr erfolgte die Ernennung zur stellvertretenden Amtschefin und Chefin des Stabes im Sanitätsamt der Bundeswehr in Bonn. Nach sechs Jahren übernahm sie am 1. November 2001 als letzte und ganz besondere Verwendung die Leitung des Bundeswehrzentralkrankenhauses (BwZKrhs) Koblenz. Im selben Jahr wurden alle Laufbahnen der Bundeswehr uneingeschränkt für Frauen geöffnet.
Frau Generalarzt a.D. Dr. von Weymarn hat den Weg für weibliche Sanitätsoffizierinnen in der Bundeswehr geebnet und geprägt, hat neue Maßstäbe gesetzt und den Sanitätsdienst weiterentwickelt. Unserer ehemaligen Chefärztin wünschen wir alles Gute und ein weiterhin erfülltes Leben im Kreise der Familie und Freunde.
Generalarzt Dr. Diehm
Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
Kommandeur und Ärztlicher Direktor