Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
die Neuausrichtung der Bundeswehr auf Landes- und Bündnisverteidigung und die notwendigen Anpassungen der sanitätsdienstlichen Versorgung unserer Soldaten und Soldatinnen im militärischen Einsatz erfordern vom Fachgebiet Urologie vielfältige Überlegungen hinsichtlich Ausbildung und fachlich-inhaltlicher Schwerpunktsetzung. Im Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Umstrukturierungen im Rahmen der Krankenhausreform (Notfallversorgungsstufen und Leistungsgruppen) und dem Anspruch, unsere Soldaten im LV/BV Szenario bestmöglich versorgen zu können, gilt es für die Urologie Lösungen zu finden, die sowohl den zivil-rechtlichen als auch den wehrmedizinisch relevanten Aspekten gerecht werden.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte im Internationalen Krisenmanagement haben zu der Erkenntnis geführt, dass die Urologie in der Rettungskette ab der Versorgungstufe 3 erforderlich ist. Der Artikel von Schoch et al. präsentiert hierzu die von der Konsiliargruppe Urologie erhobenen Daten aus der Role 3 des U.S. Air Force Hospitals in Bagram, Afghanistan.
Der Leitartikel in der vorliegenden Ausgabe der wehrmedizinischen Monatszeitschrift präsentiertdas „Konzept der Konsiliargruppe Urologie zum Einsatzurologen“. Für eine qualitativ angemessene und zuverlässige Versorgung im Einsatz (gerade als einziger urologischer Facharzt vor Ort) reichen die Anforderungen, die die Landesärztekammern für die Zulassung zur Facharztprüfung Urologie vorgeben insbesondere bei der Handlungskompetenz, also den „handwerklichen“ Fähigkeiten, aus unserer Sicht nicht annähernd aus. Relevante Eingriffe an den Nieren oder im Becken, die bei urotraumatologischen Notfällen im Krieg erforderlich sein könnten, werden üblicherweise erst als Facharzt bzw. Fachärztin mit der notwendigen Frequenz durchgeführt, damit hier eine ausreichende Qualität abgebildet werden kann.
Diese Expertise wird im Routinebetrieb der Kliniken erworben, wo zumeist große onkologische Eingriffe die Indikation für ablative und rekonstruktive Verfahren darstellen, da im Alltag deutscher Kliniken kaum Traumata mit relevanter Beteiligung der urogenitalen Organe auftreten. Hier bilden also die onkologischen Organzentren die notwendige Grundlage für ausreichende Eingriffe sinnvoller Schweregrade. Der Beitrag zum da Vinci-Operationsroboter von von Dobschütz und Wiedmann geht auf diesen Zusammenhang detailliert ein. Der Artikel von Zimmermann und Liebchen sowie der von Hoppach geben einen Einblick in die komplexen handwerklichen Anforderungen an rekonstruktive Verfahren, um möglichst zufriedenstellende funktionelle Ergebnisse erzielen zu können.
Es wird deutlich, dass die Urologie im wehrmedizinischen Kontext von erheblicher Bedeutung ist und dass sie für die Zukunft gesteigerte Ressourcenzuteilung erfordert, um qualitativ wirken zu können. Wir, die Urologen des Sanitätsdienstes, möchten ihnen in diesem Heft unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit und unsere Schlussfolgerungen zur zukünftigen Einsatzurologie präsentieren.
Wir wünschen Ihnen informative Stunden bei der Lektüre dieses Heftes!
Ihre
Dr. Cord Matthies
Leiter Konsiliargruppe Urologie
Klinischer Direktor BwKrhs Hamburg
Prof. Dr. Hans Schmelz
Klinischer Direktor Urologie BwZKrhs Koblenz