Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
es fällt mir schwer, Worte für die Vorstellung dieser Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift zu finden, da ich nicht weiß, was davon noch gilt oder relevant ist, wenn Sie dieses Heft vier Wochen später in den Händen halten. Ich will es dennoch versuchen.
„Der 24. Februar 2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.“ Mit diesen Worten in seiner Regierungserklärung vom 27. Februar leitete Bundeskanzler Scholz eine Wende in der Deutschen Sicherheitspolitik ein. Die Fähigkeiten der Bundeswehr zur Landes- und Bündnisverteidigung sollen in möglichst kurzer Zeit mit einer gewaltigen Kraftanstrengung massiv gesteigert werden. Dieses wird auch zu neuen Anforderungen an den Sanitätsdienst der Bundeswehr führen, der die Prozesse seiner Optimierung für diese Fähigkeiten beschleunigen muss. Neben unseren Aufgaben im Grundbetrieb und unter den Erschwernissen der Corona-Pandemie sowie den vielfältigen laufenden Verpflichtungen im Auslandseinsatz müssen wir uns kurzfristig auch auf die Versorgung ukrainischer Verletzter einstellen, wie sie schon seit Jahren in den Bundeswehrkrankenhäusern erfolgt. Und mit einer Verstärkung der Ostflanke der NATO wird auch der Sanitätsdienst noch mehr gefordert werden. Derzeit sind wir in einem bisher nicht gekannten Umfang in unserem Kernauftrag eingebunden. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Grundsätze und Verfahren wissenschaftsbasiert weiterentwickeln. Es ist sicherzustellen, dass Hochwertressourcen so effektiv wie möglich eingesetzt werden, um möglichst allen Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Ein Beispiel für die Analyse im Sinne dieser Weiterentwicklung liefern KELLER, SCHULZ und MAURER aus Ulm, die alle im abgeschlossenen Afghanistaneinsatz von 2007 bis 2021 durchgeführten neurochirurgischen Eingriffe ausgewertet haben. Das in diesem Zusammenhang angesprochene Thema der Damage Control Surgery bei Neurotraumata nimmt dabei auch auf die Versorgung Polytraumatisierter in Deutschland Bezug.
Die Themenpalette dieser Ausgabe ist breit gefächert. Sie reicht von einer Originalarbeit von GUND et al. zur Infektionsprophylaxe bei zahnärztlichen Behandlungen über die Kurzzeit-Rehabilitation in Regionalen Sanitätseinrichtungen, Untersuchungen zur körperlichen Fitness von Krankenhauspersonal bis zur Berichterstattung über die Medical Biodefence Conference 2021. Zu den beiden letztgenannten Beiträgen finden Sie auch umfassende Darstellungen im E-Paper (wmm-online.de) dieser Ausgabe. COVID-19 prägt den Inhalt zweier Beiträge, in denen zum einen die Leistungen des Sanitätsdienstes bei der Impfstoffdistribution in Deutschland dargestellt werden und zum anderen gezeigt wird, wie auch unter Corona-Bedingungen ein sicherer Übungsbetrieb im internationalen Rahmen erfolgen kann. Das Titelbild dieser Ausgabe verweist darauf.
Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Funktionalität des E-Papers der „WMM“ weiter verbessert wurde. Sie finden dazu auf der nebenstehenden Umschlagseite einige Screenshots und im redaktionellen Teil weitere Hinweise zu den neuen Elementen.
Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass sich Vernunft und Menschlichkeit durchsetzen und allen Menschen weiteres Leid erspart bleibt.
Ihre
Oberstarzt Dr. Angelika Niggemeier-Groben
Presse- und Informationszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr