Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
„Was für eine Entwicklung… Was für eine Geschichte…!“ Sie möchten wissen, welche gemeint ist? Es handelt sich um die Erfolgsgeschichte der ARCHIS, der Arbeitsgemeinschaft chirurgisch tätiger Sanitätsoffiziere. Diese wurde 1993 gegründet und hat 2026 bereits ihre 33. Jahrestagung abgehalten. Der Autor dieses Editorials ist Gründungsmitglied und hat an sämtlichen Veranstaltungen teilgenommen. Doch was lässt sich über diese Zeit berichten – oder besser gefragt: Was kann man daraus lernen?
Die frühen 90er Jahre waren geprägt vom Mauerfall sowie von der grundlegenden Transformation der politischen Ordnung. Für den deutschen Sanitätsdienst bedeutete dies die regelmäßige Teilnahme an internationalen Auslandseinsätzen. Oberstarzt Prof. Dr. Heinz Gerngroß war 1992 der erste deutsche Chirurg beim UN-Einsatz in Kambodscha und kehrte – wie alle anderen – tief beeindruckt nach Deutschland zurück. Zu dieser Zeit fehlte ein geeignetes Forum, um fachlich-chirurgische Anliegen auszutauschen. So entstand im Dezember 1993 im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus ein bescheidenes Treffen: Es kamen hauptsächlich die Leiter der chirurgischen Abteilungen des Sanitätsdienstes, einige Oberärzte sowie der Amtschef des Sanitätsamtes, Generalstabsarzt Dr. Hans-Günther Schmidt, zusammen. Der Beginn war bewegend, da die Teilnehmenden auf Augenhöhe miteinander kommunizierten und gemeinsam den Blick auf die damals als Einsatzchirurgie definierte Zukunft richteten. So entstand der Spirit, der die fachliche Weiterentwicklung bis heute vorantreibt.
Mittlerweile ist die ARCHIS als Arbeitskreis Einsatzmedizin der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie zusammen mit deren Jahrestagung fest etabliert. In letzter Zeit hat sich der Sanitätsdienst vielfach im internationalen Krisenmanagement bewährt. Diese Einsätze haben die Chirurgie der Bundeswehr geprägt, indem sie Kompetenz und Corporate Identity geschärft haben. Im Jahr 2026 ist die ARCHIS an einem entscheidenden Meilenstein angekommen, und dies in zweierlei Hinsicht: Angesichts des Krieges in der Ukraine ist es legitim, den Begriff Einsatz- in Militärchirurgie umzuwandeln. Und nach mehr als 30 Jahren ARCHIS und ihren Kongressen geht die nächste Generation der Chirurginnen und Chirurgen in die Führung. Ein neuer Spirit ist aufgerufen: Es geht wieder um Ausbildung und Motivation und letztlich um die Frage: Wie kriegen wir das alles hin?
„The Next Generation“, davon handelt dieses Heft. Die klare Botschaft dieses Editorials lautet: „Lass die Jungen machen.“ Sie sind sich der Verantwortung bewusst.
Die Chefredaktion bedankt sich bei allen Autorinnen und Autoren, die zum Gelingen dieses Heftes beigetragen haben. Besonderer Dank gilt Frau Oberstabsarzt Dr. Constanze Witzel, die dieses Heft als Gast-Editorin mit großem Engagement gestaltet und betreut hat. Viel Spaß bei der Lektüre dieser besonderen WMM-Ausgabe.
Herzlichst Ihr
Horst Peter Becker
Chefredakteur