Warum wir wieder vermehrt Kongresse besuchen sollten

Verschiedene wissenschaftliche Fachgesellschaften haben 2022 bei mehreren Kongressen deutlich geringere Zahlen anwesender Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Vergleich zu der Zeit vor der Coronapandemie verzeichnet. Dieses gilt auch für die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V. Dieser Umstand hat die Organisatoren erstaunt und berunruhigt, weil im Sommer dieses Jahres eigentlich wieder mit vermehrtem Zuspruch gerechnet worden war. Nicht nur die dann folgenden finanziellen Aspekte des Managements solcher Veranstaltungen zwingen über die Gründe nachdenken, wegen denen der Besuch immer noch so spärlich bleibt.

Sicherlich spielen die durchaus positiven Erfahrungen der Corona-Beschränkungen eine große Rolle, Kongresse nicht in Präsenz zu besuchen. Die Online-Veranstaltungen haben den Teilnehmenden in vielfältiger Form ­gezeigt, dass man auch auf diese Weise Information aufnehmen und und an Kongressen partizipieren kann. Die Einsparung von Reisekosten und Reisezeit sowie Hotelübernachtungen bei Teilnahme an einer Online-Veranstaltungen darf als herausragender Effekt bezeichnet werden. Letztlich konnte man bequemerweise auf die gesamten Mühen einer Dienstreise verzichten und möglicherweise effektive Zeit gewinnen. Doch am Ende des Tages fehlt emotional etwas. Wer keine Kongresse besucht, verpasst eine ganze Menge.

Fortbildungsveranstaltungen haben den primären Zweck der persönlichen Wissensvermehrung. Aber es geht nicht nur um die Aufnahme von Information, sondern auch um aktive Einbringen in das Geschehen, vielleicht mit der Präsentation eigener Ergebnisse und der wissenschaftlichen Verteidigung im Sinne des fachlichen Disputes.

Von herausragender Bedeutung für eine Präsenzteilnahme kann aber festgestellt werden:

Kongresse müssen Impulse setzen

Eines der wesentlichen Argumente für persönliches Erscheinen an wissenschaftlichen Veranstaltungen ist die Pflege und der Aufbau von Netzwerken, das Gespräch unter Kolleginnen und Kollegen abseits der täglichen Arbeit. Hier kommt es zum Austausch und zur Vernetzung untereinander. Das öffnet die Augen für den Blick über den Tellerrand und zur Horizonterweiterung. Deshalb zählt zum Kongressbesuch eigentlich auch zwingend die Teilnahme an gesellschaftlichen Abendveranstaltungen. Und bitte, wenn es denn passt, bis spät in die Nacht.

Eine Organisation wie der Sanitätsdienst entwickelt sich nicht nur über den fachlichen Austausch weiter, sondern sie lebt besonders vom persönlichen Gespräch in Präsenz und von der Erreichbarkeit der Menschen. Bei uns ist es mehr als Kollegialität, denn bei uns zählt die Kameradschaft und das weit über das eigene Fachgebiet hinaus.

Prof. Dr. Horst Peter Becker

Generalarzt a. D.