Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
„Na, Doc, bin ich schwanger?“ Diese von männlichen Soldaten als Witz gemeinte Frage hat jeder im Ultraschall tätige Sanitätsoffizier schon unzählige Male gestellt bekommen. Andererseits hat nicht nur durch die Allgemeine Verwendungsfähigkeitsuntersuchung auf individuelle Grundfertigkeiten nahezu jede Soldatin und jeder Soldat bereits am eigenen Leib erfahren dürfen, dass Ultraschalldiagnostik nicht nur in der Schwangerschaft zum Einsatz kommt. Doch wie hoch der Stellenwert der Sonografie heutzutage in nahezu allen klinischen Fachdisziplinen ist und welche wehrmedizinische Relevanz sie als einziges hochmobiles, strahlungsfreies bildgebendes Verfahren mit Echtzeitdarstellung hat, ist nicht jedem unmittelbar präsent.
Die Verfügbarkeit mobiler, leistungsfähiger und kostengünstiger Ultraschallgeräte hat zu einer enormen Verbreitung der Sonografie in der Human- und Veterinärmedizin geführt. Die Darstellung des gesamten Spektrums der verschiedenen Spezialanwendungen der Sonografie, wie der intraoperativen Sonografie in chirurgischen Fachrichtungen, der transrektalen bzw. transvaginalen Sonografie in der Urologie und Gynäkologie, der transkraniellen Dopplersonografie in der Neurologie oder der hochfrequenten Ultraschalldiagnostik in der Dermatologie, würde den Rahmen eines solchen Schwerpunktheftes sprengen.
Neben diesen fachspezifischen Anwendungen besteht jedoch über viele klinische Fachrichtungen hinweg ein Bedarf an qualifizierten systematischen Ultraschalluntersuchungen der inneren Organe. Während in vielen anderen Ländern Europas und der Welt dieser Bedarf überwiegend von Radiologen gedeckt wird, ist in Deutschland diese „Querschnitts-Sonografie“ überwiegend eine internistische Aufgabe. Auch an den Bundeswehrkrankenhäusern sind spezialisierte Abteilungen für Sonografie, oft auch als „Ultraschall-Labor“ bezeichnet, in den Kliniken für Innere Medizin angesiedelt.
Von außen betrachtet erscheint das Aufgabengebiet dieses „internistischen Ultraschalls“ als ein kleines Spezialgebiet der Medizin. Wie in allen medizinischen Fachbereichen führen jedoch wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt zu einem immer breiter gefächerten Aufgabenspektrum, mit neuen Implikationen für die Materialbeschaffung und die Ausbildung.
Wann ist eine Vereinheitlichung der Geräteausstattung sinnvoll und wann kontraproduktiv? Inwieweit sollten in der Ausbildung spezialisierte, auch an den Anforderungen des zivilen Gesundheitssektors orientierte Fähigkeiten vermittelt werden – oder ist ein stärkerer Fokus auf die einsatzrelevantere Notfallsonografie und einfache bettseitige Untersuchungen wichtiger?
Es sind ähnliche Fragen wie in allen Bereichen der Militärmedizin, die vor dem Hintergrund des ständigen Fortschritts stets neu ausgehandelt werden müssen.
Am Beispiel des Bundeswehrkrankenhauses Berlin möchten wir mit diesem Schwerpunktheft hierzu eine Diskussionsgrundlage bieten. Die Kolleginnen und Kollegen der Kliniken I und X, mit ihren unterschiedlichen Subspezialisierungen in der Inneren Medizin und der Notfallmedizin, analysieren die Aspekte der Ultraschalldiagnostik speziell für unseren Fachbereich der Inneren Medizin. Dabei wird auch die Komplexität des Themas deutlich.
Zwei wissenschaftliche Artikel aus der Orthopädie und der Sportphysiologie ergänzen diese Ausgabe.
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich viel Spaß bei der Lektüre dieser Berichte aus den „Niederungen“ der Realversorgung.
Oberfeldarzt Dr. Michael Ludwig
Leiter des Ultraschallzentrums der Klinik für Innere Medizin
Bundeswehrkrankenhaus Berlin