Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
„Force Combat Readiness – Konservative Fächer im Wandel“ lautete das Motto der diesjährigen 7. Jahrestagung des Arbeitskreises konservativ tätiger Sanitätsoffiziere (ARKOS) und stellt damit auch die Leitidee zur Bewältigung künftiger Herausforderungen der konservativen Medizin in den deutschen Streitkräften dar.
Mit der Gründung des ARKOS im Jahr 2017 wurde ein Meilenstein zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Versorgung unserer Soldatinnen und Soldaten im Grundbetrieb, aber auch im Gefechtsfeld gesetzt.
Die deutschen Streitkräfte und mit ihnen der Sanitätsdienst sehen sich derzeit einem durchgreifenden Wandel ausgesetzt. Es gilt, die zivile Krankenhausreform mit voranschreitender Fokussierung auf hochspezialisierte Leistungsgruppen zu denken, zeitgleich aber den Bedürfnissen der „Zeitenwende“ hin zu einer aufwachsenden und kriegstüchtigen Armee gerecht zu werden. Diese erfordert eine breite Fachkenntnis in Theorie und Praxis sowie eine differentialdiagnostische Kompetenz in nahezu allen Gebieten der Medizin, wobei sich der zivile Gesundheitssektor allerdings zu einer ausgeprägten Spezialisierung hinwendet.
Die Force Combat Readiness konservativer Fächer entsteht nicht erst auf dem Gefechtsfeld. Sie beginnt bereits in der truppenärztlichen Versorgung, in der Früherkennung und Stabilisierung chronischer Erkrankungen, aber auch in der Rehabilitation von Gesundheitsstörungen unserer Soldatinnen und Soldaten. Die konservativen Fächer sichern damit die Einsatz- und Regenerationsfähigkeit vor, während und nach dem Gefecht. Sie bilden den Anker medizinischer Grundversorgung. Konservative Expertise ist „highly combat relevant“, wissen wir doch, dass ein Großteil aller Ausfälle in kriegerischen Auseinandersetzungen durch DNBIs, also Disease and Non-Battle Injuries, hervorgerufen wird.
Diese Erkrankungsmuster gehen über die rein verletzungsbedingten Einschränkungen deutlich hinaus und adressieren exazerbierte chronische Erkrankungen, Infektionen und Auswirkungen umweltbedingter Einflüsse. Gern unterschätzt in der Planung, führen sie doch zu einem nicht unerheblichen Personalausfall. Im Gegensatz zur gut bekannten Rettungskette Schwerstverletzter dominiert bei den Erkrankungen aus den konservativen Fächern das Konzept „stay and play“. Durch breites differentialdiagnostisches Wissen, gute Diagnostik und beherztes Handeln lassen sich vor Ort Exazerbationen minimieren, Infektionen behandeln und Ausbrüche verhindern. Die Soldatinnen und Soldaten sind zeitnah wieder einsatzbereit und größere Ausfälle können verhindert werden.
ARKOS repräsentiert eine große und heterogen geprägte Gruppe an Sanitätsoffizieren mit einem umfassenden Fachwissen. Dieses Schwerpunktheft versucht, einen Überblick über die Relevanz und Bandbreite konservativer Militärmedizin zu geben und damit im besten Sinne die Kompetenz und den Wissensschatz dieser großen Gruppe an Sanitätsoffizieren zu repräsentieren.
Ich wünsche Ihnen allen viel Spaß und Inspiration bei der Lektüre dieses Schwerpunktheftes. Vor allem freue ich mich, möglichst viele von Ihnen im nächsten Jahr zur dann 8. ARKOS-Tagung vom 15.–17. Juni 2026 im Kloster Banz begrüßen zu dürfen.
Oberstarzt Dr. Nicole Müller
1. Vorsitzende des ARKOS