Reservistenarbeit am Institut für Radiobiologie der Bundeswehr: Austausch mit der Bundespolizei
Fokko Zillesa, Simon Wagnera, Thorsten Frenzela, Michel Pepera, Matthias Porta, Patrick Ostheima
aInstitut für Radiobiologie der Bundeswehr, München
Das Institut für Radiobiologie der Bundeswehr (InstRadBioBw) ist eines der drei Ressortforschungsinstitute der Bundeswehr im Bereich des medizinischen ABC-Schutzes. Die Aufgaben des Instituts teilen sich hierbei in verschiedene Bereiche auf: Forschung, Beratung, Lehre und Einsatz. Zur Erfüllung seines Auftrages im Bereich Einsatz (u. a. Diagnostik und Beratung bei Strahlennotfällen) stellt das Institut als Teil der Task Force Medizinischer ABC-Schutz einen Aufklärungs- und Diagnostiktrupp, bestehend aus einem Arzt und mehreren technischen Assistenten (Feldwebeldienstgrad). Der Trupp ist weltweit verlegbar und kann im Fall eines radionuklearen Ereignisses durch seine Fachexpertise vor Ort Diagnostik zur Prognose- und Risikoabschätzung von Strahlennotfallpatienten betreiben, um Sichtungskategorien im Hinblick auf die akute Strahlenkrankheit zu bilden. Zudem können erste medizinische Maßnahmen durchgeführt und medizinisches Personal vor Ort über die weitere Therapie und Anschlussbehandlung beraten werden.
Wie in vielen Bereichen der Bundeswehr sind auch für das InstRadBioBw Reservedienstleistende unabdingbar, um im Ernstfall das aktive militärische Personal zu unterstützen und die Durchhaltefähigkeit zu gewährleisten. Mehrere Reservisten absolvieren in regelmäßigen Abständen Wehrübungen am InstRadBioBw, um für diesen Auftrag ausgebildet zu werden. Auf Grund ihrer jeweiligen zivilen Tätigkeit und der damit einhergehenden fachlichen Expertise, u. a. im Bereich des Strahlenschutzes, können sie schnell in die Tätigkeiten der Task Force eingearbeitet werden. Dieser zivil-militärische Wirkverbund bietet eine optimale Verbindung auch zu Kräften außerhalb der Bundeswehr im Bereich des medizinischen A-Schutzes.
Gemeinsame Übung in Hünfeld
Als Beispiel kann hier eine gemeinsame Veranstaltung mit der Technischen Einsatzhundertschaft der Bundespolizei in Hünfeld im April 2024 genannt werden. Diese wurde durch Oberfeldarzt d. R. Dr. Zilles, welcher neben seiner zivilen Tätigkeit als Radiologe seit vielen Jahren als Reservist am InstRadBioBw tätig ist, organisiert. Die Bundespolizeiabteilung in Hünfeld ist eine von zehn Bundespolizeiabteilungen, die als bereitschaftspolizeiliche Komponente der Bundespolizei unmittelbar der Direktion Bundesbereitschaftspolizei in Fuldatal unterstellt ist. Eine Teileinheit der Abteilung Hünfeld ist die Technische Einsatzhundertschaft, deren Kernaufgabe die fachtechnische und polizeiliche Unterstützung bei besonderen bereitschaftspolizeilichen Lagen sowie die polizeiliche und technische Katastrophenhilfe sind. Die Einheit hält hierbei u. a. eine mobile Dekontaminationsanlage vor, welche innerhalb sehr kurzer Zeiträume einsatz- und verlegefähig ist und völlig autark (Wasser, Strom, Kommunikation etc.) agieren kann (Abbildung 1).
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die unterschiedlichen Bedrohungslagen aus dem Gebiet der chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRN) und deren Bewältigung im Rahmen der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung vorgestellt und sich in Bezug auf Fähigkeiten und Verfahren ausgetauscht. Neben verschiedenen Fachvorträgen aus den Reihen der Bundeswehr und der Bundespolizei konnten Informationen über personelle und materielle Ausstattung der Einsatzkräfte, die Ausgestaltung der übergeordneten Organisation und die Einbindung von weiteren Akteuren des Katastrophenschutzes ausgetauscht werden. Hierbei wurde die mobile Dekontaminationsanlage der Technischen Einsatzhundertschaft im Rahmen einer Übung demonstriert, welche neben der radiologischen Messung und Dekontamination der bundespolizeilichen Einsatzkräfte auch für die Dekontamination festgesetzter Verdächtiger geeignet ist (Abbildung 2).
Bilder: Oberfeldarzt Priv.-Doz. Dr. Dr. Frenzel
Für die Verfasser
Oberstabsarzt Dr. Simon Wagner
Institut für Radiobiologie der Bundeswehr
Neuherbergstraße 11, 80937 München
E-Mail: simonwagner@bundeswehr.org