Resilienzforschung am Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr – von präventivmedizinischen Gesundheitsaspekten bis in den Einsatz

Alexander Witzki, Kristina Küper, Manuela Andrea Hoffmann

Einleitung

Individuelle Resilienz beschreibt die Fähigkeit,

  • sich an Veränderungen anzupassen,
  • sich Widrigkeiten zu stellen und sie zu bewältigen sowie
  • an Rückschlägen zu wachsen.

Diese psychische Widerstandsfähigkeit ist für den Soldatenberuf von entscheidender Bedeutung, da die Auftragserfüllung im Einsatz oft durch enorme körperliche und mentale Belastungen erschwert wird. Soldatinnen und Soldaten sind nicht nur einer ständigen Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt, sondern auch von ihrer Familie und dem vertrauten Umfeld getrennt. Sie müssen sich an ungewohnte Umweltbedingungen, wie extreme Hitze oder Kälte, anpassen und gleichzeitig stets die hohen Anforderungen immer komplexer werdender militärischer Arbeitsumgebungen erfüllen. Wie sich Soldatinnen und Soldaten bestmöglich auf diese extreme Belastungssituation vorbereiten lassen, untersucht das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr (InstPrävMedBw) im Rahmen seiner Resilienzforschung.

Methode

Die Resilienzforschung des InstPrävMedBw erstreckt sich auf die Bereiche Prävention, Ausbildung, Führung und Einsatzvorbereitung und umfasst neben eigenen Studien auch die wissenschaftliche Begleitung von Projekten anderer Bundeswehr-Dienststellen, z. B. im Sinne der Evaluation von Interventionsmaßnahmen zur Resilienzsteigerung. Dabei werden standardisierte Befragungsinstrumente zur Erfassung von Resilienz und assoziierten Konstrukten (Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit etc.) mit Verfahren zur Messung der körperlichen Fitness (Biometrie und Kraftmessung) und der militärischen Leistungsfähigkeit (Basis-Fitness-Test, Soldaten-Grundfitness-Tool) kombiniert.

Ergebnisse

Bisherige Untersuchungen des InstPrävMedBw zeigen, dass Resilienz und assoziierte Konstrukte bei hoch­qualifiziertem militärischem Personal überdurchschnittlich ausgeprägt sind und sich darüber hinaus durch ­geeignete Interventionsmaßnahmen steigern lassen. Im Vergleich zu zivilen Vergleichsgruppen zeigen hoch ­resiliente Bundeswehrangehörige in Belastungssitua­tionen zudem ein verändertes Stresserleben im Sinne gesteigerter Freude sowie tendenziell verminderter Anspannung und Sorgen bei gleichem Anforderungser­leben.

Diskussion und Ausblick

Die bisherigen Forschungsergebnisse des InstPrävMedBw unterstreichen die Bedeutung von individueller Resilienz für den Soldatenberuf und belegen die Wirksamkeit von Interventionsmaßnahmen zur Resilienzsteigerung. In den für die nächsten Jahre geplanten Forschungsprojekten sollen

  1. die genauen Einflussfaktoren auf Stresserleben, Gesundheit und militärische Leistungsfähigkeit identifiziert und
  2. deren praktische Relevanz für verschiedene militärische Settings quantifiziert werden. Dementsprechend werden unterschiedliche militärische Kollektive, wie z. B. Führungskräfte oder Rekruten in der Grundausbildung, im Fokus der Forschung stehen.

Ziel dieser Forschung ist die Entwicklung bzw. Identifikation von Interventionskonzepten, die nicht nur effektiv, sondern im militärischen Kontext auch praktikabel sind sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Verhältnisprävention.

Schlussfolgerung

Die veränderte geopolitische Lage hat den Kernauftrag der Bundeswehr, die Landes- und Bündnisverteidigung, wieder stärker in den Fokus gerückt. Dementsprechend werden Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Zukunft wieder vermehrt mit einsatzbezogenen Belastungen konfrontiert werden. Individuelle Resilienz kann hier als protektiver Faktor wirken, der Gesundheitsproblemen und Leistungsminderungen vorbeugt. Wie sich die Resilienz von Bundeswehrangehörigen erhalten und verbessern lässt, ist deswegen eines der Kernthemen der Forschung des InstPrävMedBw.

Literaturhinweise

  1. Hoffmann MA: „My Brain Is My Weapon“ – Forschungsergebnisse der NATO-Partner im Bereich Resilienz und mentale Leistungsfähigkeit. WMM 2023; 67(3): 97-98. mehr lesen
  2. Küper K, Schramm S, Witzki A, Leyk D: Optimierungs- und Anreizmöglichkeiten für Gesundheitsverhalten und individuelle Einsatzfähigkeit. WMM 2021; 65(11): 431–433. mehr lesen
  3. Witzki A, Küper K, Leyk D: Options and strategies to enhance individualoperational readiness: A German research perspective. WMM 2020; 64(8): 297. mehr lesen

Für die Verfasser
Regierungsdirektor Dr. Alexander Witzki
Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr
Aktienstraße 87, 56626 Andernach
E-Mail: instpraevmedbwa3@bundeswehr.org