Editorial

Sehr geehrte Leserin,

sehr geehrter Leser!

Im November 2024 ist die Welt definitiv krisenhaft aus den Fugen geraten. Es fühlt sich so an, als ob alle bisherigen Regeln außer Kraft gesetzt sind. Dies gilt ganz besonders für das Kriegs- und Völkerrecht mit Bezug auf internationale Schutzzeichen und entsprechende Einrichtungen. Bereits zu Anfang des Jahres hatten wir im Editorial des Hefts 1-2 der Wehrmedizinischen Monatsschrift darauf hingewiesen, dass es schlimm werden würde. Und es kam schlimmer. Aus allen Richtungen wird derzeit der Ruf nach Resilienz laut, nach der sogenannten Krisenresilienz.

Mittlerweile erfassen die Turbulenzen multiple Ebenen und Bereiche. Sie betreffen die einzelne Person, Gruppen und Organisationen, am Ende ganze Staaten oder Regionen bzw. Erdteile. Es stellt sich die Frage, mit wieviel Widerstandskraft man persönlich all diesen negativen Umständen begegnet. Ein einfaches Dagegenstemmen und Widerstand aufbauen wird angesichts der gegebenen Komplexität der Systeme nicht ausreichen. Wie kann man Krisenresilienz aufbauen?

Am Anfang steht die Selbstreflexion und damit der Prozess, die eigene Lage zu analysieren. Die Kernprobleme zu evaluieren, das gilt für alle Systeme, auch für einen selbst. Am Ende erfolgt die Bewertung der eigenen Kräfte und Ressourcen mit der Absicht, einen Zukunftsplan zu entwickeln. Dieser Plan sollte auf jeden Fall die Strategie enthalten, Reserven zu bilden, um die Durchhaltefähigkeit zu stärken, falls der krisenhafte ­Zustand anhält. Damit gerät man schon in den Bereich der Prävention, das heißt Vorsorge treffen. Vorsorge wird zum wichtigsten Bestandteil der Lösung einer ­Krise.

Im Grunde ist das ja alles hinreichend bekannt. Krisenresilienz fängt beim Selbstmanagement und damit bei der eigenen Disziplin an. Nach Petzold erfährt man Stabilität, wenn man die Lebensbereiche Körper, soziale Beziehungen, materielle Sicherheit, Arbeit und eigene Werte zu starken Faktoren macht. Gesundheit und Fitness stellen sich durch tägliches Training automatisch von allein ein. Aber man muss als Einzelperson ins Handeln kommen, wenn sich Defizite einstellen. Wenn man die Systemebene betrachtet und hier Erfolge sehen will, ist auch ein systematischer Ansatz erforderlich. Der entsteht nur über die strategische Präventions- und Resilienzforschung.

Das vorliegende Heft will hierzu einen Impuls setzen. Was müssen wir tun, um in der Prävention erfolgreich zu sein? Die Beiträge zeigen die Ansätze auf. Aber wir müssen besser werden.

Viel Spaß bei der Lektüre dieses besonderen Heftes

Herzlichst

Ihr Horst Peter Becker

Chefredakteur