Messung von Konzentration und exekutiver Kontrolle in präventivmedizinischen Studien
Stefanie Grünewald, Berthold Könemann, Alexander Witzki, Manuela Andrea Hoffmann
Einleitung
Einschränkungen von Konzentration und exekutiver Kontrolle können gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und die individuelle Leistungsfähigkeit haben. Präventivmedizinisch sind derartige Einschränkungen relevant, da sie sowohl eine geringere Leistungsfähigkeit während der Arbeitszeit (Präsentismus) als auch negative gesundheitliche Konsequenzen, wie z. B. das vermehrte Auftreten von Arbeitsunfällen, zur Folge haben können. Methoden zur reliablen und validen Messung von Konzentration und exekutiver Kontrolle ermöglichen das Erkennen von potenziellen Defiziten. Sie sind notwendig, um z. B. den Erfolg von Therapien und Auswirkungen von Erkrankung und Erholung besser einschätzen zu können.
Mit dem Test zur Messung exekutiver Kontrolle/Konzentration (TEMEKKO) wurde von Bühner und Schmidt-Atzert ein papierbasiertes, psychologisches Testverfahren entwickelt, welches diese Konstrukte erfasst. Der von Schmid 2010 [1] validierte Test besteht aus drei Teilen, die sich nur hinsichtlich des Stimulusmaterials (numerisch, verbal und figural) unterscheiden. In der vorliegenden Studie wurde der numerische Teil für die Nutzung auf einem Tablet adaptiert und eine randomisierte Ziehung von Stimuli implementiert. Ziele waren die Auswertung von Reliabilität (Retest-Reliabilität) und Konstruktvalidität sowie der Arbeitsbelastung durch das adaptierte Verfahren.
Methode
In einem Retest-Design bearbeiteten 62 Studienteilnehmende (männlich = 45, weiblich = 17) mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren (SD = 15,79) den TEMEKKO auf einem Tablet-Computer. Der Test sieht die Präsentation von insgesamt 190 dreistelligen Zahlenfolgen in 19 Zeilen vor. Aufgabe der Probanden war es, innerhalb von 120 Sekunden möglichst viele aufsteigende und absteigende Zahlenfolgen zu identifizieren. Zusätzlich zum TEMEKKO absolvierten die Teilnehmenden den d2-Aufmerksamkeits-Belastungs-Test (d2) und den NASA Task Load Index (NASA TLX). Die Teilnehmenden wurden einer der beiden balancierten Abfolgen zufällig zugewiesen (TEMEKKO, d2, NASA TLX oder d2, TEMEKKO, NASA TLX).Direkt im Anschluss erfolgte eine zweite Messung in der gleichen Abfolge der ersten Messung.
Ergebnisse
Die Retest-Reliabilität betrug r = .90 (p < .001) für den TEMEKKO und r = .96 (p < .001) für den d2. Die Konstruktvalidität des TEMEKKO hinsichtlich des d2 betrug r = .46 (p < .001). Lediglich für die Dimension „Zeitdruck“ wurde der TEMEKKO als signifikant weniger belastend bewertet als der d2 (t(61) = 5.12, p < .001, dz = .71). Die TEMEKKO-Ergebnisse in den anderen relevanten Dimensionen des NASA TLX (Leistung, Aufmerksamkeit und geistige Anforderungen) unterschieden sich nicht signifikant zu den Ergebnissen des d2.
Diskussion
Die für das Tablet adaptierte Fassung des TEMEKKO erwies sich als sehr reliabel. Bei der Bewertung der Validität ist zu berücksichtigen, dass der TEMEKKO im Unterschied zum d2 neben der Konzentration/Aufmerksamkeit auch exekutive Kontrolle erfasst. Hinzu kommt, dass die zeitlich begrenzte Bearbeitungsdauer pro Zeile ein wichtiger Aspekt des d2 ist, der im TEMEKKO fehlt. Der ermittelte Wert ist folglich als diskriminante Validität zu interpretieren. Diese Annahme unterstreicht auch das Ergebnis, dass bei dem TEMEKKO eine geringere empfundene zeitliche Belastung durch die Testpersonen wahrgenommen wurde.
Schlussfolgerung
Der für Tablet-Computer adaptierte TEMEKKO ist ein reliables und valides Testverfahren mit einer geeigneten Arbeitsbelastung. Mit ihm können Konzentration und exekutive Kontrolle in präventivmedizinischen Studien erfasst werden. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, einen Wert zur konvergenten Konstruktvalidität zu ermitteln.
Literatur
- Brickenkamp R: Test d2 – Aufmerksamkeits-Belastungs-Test. Göttingen: Hogrefe Verlag für Psychologie 2002.
- NASA Ames Research Center:NASA Task Load Index (TLX) v 1.0. Paper and Pencil Package. Moffett Field, California 2006. , letzter Aufruf 4. Oktober 2024. mehr lesen
- Schmidt V: Validierung eines Tests zur Messung exekutiver Kontrolle /Konzentration. LMU München 2010: Inauguraldissertation. , letzter Aufruf 30. September 2024. mehr lesen
Für die Verfasser
Stefanie Grünewald
Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr
Andernacher Strasse 100, 56070 Koblenz
E-Mail: instpraevmedbwa3@bundeswehr.org