Editorial
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
in die aktuellen Diskussionen hinsichtlich der Fokussierung auf Bündnis- und Landesverteidigung muss die psychische Gesundheit der Streitkräfte einbezogen werden. Aktuelle Konflikte zeigen, dass auch bei konventionellen Auseinandersetzungen hohe Prävalenzraten von psychischen Erkrankungen das medizinische Versorgungssystem vor erhebliche Herausforderungen stellten, die nur im interdisziplinären und multiprofessionellen Team zu bewältigen sind. Gemeinsames, abgestimmtes Handeln und Vernetzung sind Voraussetzungen hierfür. Der neue Arbeitskreis „Psychosoziale Medizin und Netzwerke“ der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V. trägt dieser Erkenntnis Rechnung.
Auch dieses Themenheft der WMM greift den Ansatz auf, weil Handeln im Team und Vernetzung quasi die besondere „DNA“ und Stärke des Psychotraumazentrums der Bundeswehr (PTZBw) sind – mit Angehörigen aus dem Sanitätsdienst, dem Psychologischen Dienst und dem Sozialdienst sowie einer starken Vernetzung mit der Seelsorge.
Die Beiträge dieser Ausgabe umfassen ein breites Spektrum von Resilienz, Prävention, Krankheitsfolgen bis hin zu spezifischen Rehabilitationsangeboten und Nachsorge. So untersuchen Bühler et al. in einer Originalarbeit, ob und wie Kameradschaft und Einheitskohäsion mentale Gesundheit und damit Resilienz unterstützen. In einem Kooperationsprojekt zwischen dem PTZBw und dem Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr werten Küper et al. ein innovatives moralbasiertes, sekundärpräventives Nachbereitungsseminar für COVID-Pflegekräfte aus. Wesemann et al. untersuchen in einer weiteren Originalarbeit die Inanspruchnahme wehrpsychiatrischer und militärischer psychotherapeutischer Angebote in Bezug auf die Entwicklung von komorbiden Störungen. Riemer, Bölting und Blöss et al. analysieren im Rahmen eines praktikumsbegleitenden Projektes die Literatur über Probleme der Wiedereingliederung von militärischen psychiatrischen Patienten mit Fokus auf die poststationäre Suizidalität. Die Möglichkeiten des Einwirkens auf diese Wiedereingliederungsprobleme stellen Langner et al. in einem Methodenartikel über die Arbeit der Interdisziplinären Patientenorientierten Rehabilitationsteams (IPR) vor. Gerade in der Rehabilitation psychisch Erkrankter sind sportpsychologische Interventionen sinnvolle Ergänzungen eines multimodalen Therapiesettings, was in einer Originalarbeit von Börke et al. dargestellt wird. Helms et al. untersuchen in einem Kooperationsprojekt mit dem Institut für Sexualmedizin der Charité den Stellenwert der Sexualmedizin in den Streitkräften. Geschlossen wird der Bogen von Giesen et al. mit einem innovativen Ansatz einer Intervention für belastete Familien, der sogenannten Multifamilienberatung, die als Kooperationsprojekt zwischen PTZBw, Sozialdienst und dem Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr durchgeführt wird.
Wir freuen uns, Ihnen einen aktuellen Einblick in Praxis und Forschung des PTZBw geben zu können und hoffen, ihr Interesse für diese Thematik geweckt zu haben.
Ihre
Prof. Dr. Peter Zimmermann,
Leiter Psychotraumazentrum der Bundeswehr
Dr. Gerd Willmund,
Leiter Forschungssektion des Psychotraumazentrums