Zum 20. Todestag von Oberstarzt Prof. Dr. Heinz Gerngroß

Am 2. Juni 2025 jährt sich der Todestag von Oberstarzt Prof. Dr. Heinz Gerngroß zum 20. Mal. Wir, seine Schüler, wollen dies zum Anlass nehmen, im Rahmen eines kurzen Rückblicks an diese herausragende Persönlichkeit zu erinnern. Eine Erinnerungskultur zu etablieren und weiterzuführen ist notwendig, um nicht zu vergessen, wo wir herkommen und um festzustellen, was sich verändert hat.

Als Chirurg, Unfallchirurg, engagierter Wissenschaftler und vor allem Lehrer prägte er maßgeblich zukünftige Chirurgen sowie die Entwicklung der modernen Einsatzchirurgie und setzte sich intensiv für die Förderung des akademischen Nachwuchses im Sanitätsdienst der Bundeswehr ein. Es war ihm immer ein Anliegen und eine Freude zu sehen, wenn seine Begeisterung für die Sache bei anderen Früchte trug.

Werdegang und berufliche Stationen

Prof. Dr. Heinz Gerngroß wurde am 2. Juli 1947 in Schwabach geboren. Nach dem Abitur trat er 1968 in die Bundeswehr ein und studierte von 1970 bis 1975 Humanmedizin in Erlangen. Im Anschluss absolvierte er seine Medizinalassistentenzeit in mehreren Kliniken. 1977 diente er 18 Monate als Truppenarzt in Landsberg, bevor er 1978 mit der Weiterbildung im Fachgebiet der Chirurgie an der Universitätsklinik Ulm und am Bundeswehrkrankenhaus Ulm begann. 1983 erlangte er die Facharztbezeichnung für Chirurgie, 1985 spezialisierte er sich auf Unfallchirurgie und habilitierte 1986 im Fachgebiet Chirurgie. Ab 1989 leitete er die Abteilung II im Bundeswehrkrankenhaus München und übernahm 1992 die Leitung der chirurgischen Abteilung im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, dem akademischen Krankenhaus der Universität Ulm, bis zu seinem Tod.

Wissenschaftliches Engagement und Förderung des Nachwuchses

Prof. Dr. Gerngroß zeichnete sich durch seinen außergewöhnlichen Forschungsdrang und seine Kreativität aus. Er legte die Grundlagen für Entwicklungen in der Einsatzchirurgie, die bis heute von Bedeutung sind. Seine Leidenschaft galt der akademischen Ausbildung und dem akademischen Denken: Er förderte zahlreiche Promotionen und Habilitationen und prägte damit die Karrieren vieler heutiger Ärztlicher Direktoren und Leiter großer chirurgischer, gefäßchirurgischer und unfallchirurgischer Kliniken, innerhalb und außerhalb der Bundeswehr. Es war ihm immer ein Anliegen, dem Nachwuchs den Weg zu ebnen und ihn zu begleiten. Aber – die notwendige Arbeit mussten wir schon selbst machen!

Im Jahr 2005, nach seinem viel zu frühen Tod, stiftete die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V. (DGWMP) den Heinz-Gerngroß-Förderpreis. Dieser Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Wehrmedizin und -pharmazie und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs des Sanitätsdienstes nachhaltig.

Vielseitigkeit und persönliches Engagement

Neben seiner medizinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit war Prof. Dr. Gerngroß ein vielseitiger Mensch, der auch von seiner Neugier getrieben war. So beschäftigte er sich ausführlich mit Goethe und Rilke und setzte sich dabei intensiv mit deren Inhalten auseinander. Kostproben bekamen wir nicht selten auf seinen Visiten zu hören, bei denen er immer wieder Passagen zitierte. Darüber hinaus zeigte er seine künstlerische Ader durch seine Malerei. Diese war nicht nur thematisch intensiv und ausdrucksstark, sondern seine Bilder waren ausgesprochen großformatig. Seine künstlerische Ader spiegelte sich auch in seiner Arbeit wider, die stets von Kreativität und Innovationsgeist geprägt war. So entwickelte er einen Fixateur externe mit dem Namen Mephisto oder einen Oberschenkelnagel namens UFO. Medizin, Kunst, Wissenschaft – all das wurde von ihm immer miteinander verbunden. Und er war ein begeisterter Ausdauersportler, der uns auch hierbei mitriss.

Vermächtnis und bleibende Wirkung

Auch 20 Jahre nach seinem Tod bleibt Prof. Dr. Heinz Gerngroß eine prägende Führungspersönlichkeit in der Wehrmedizin. Herausragend war zu seiner Zeit die Betonung des Team-Approachs in der Chirurgie. Besonders sein Engagement für die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses im Sanitätsdienst wirkt bis heute nach. Der von der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie initiierte Förderpreis ist ein lebendiges Zeugnis seines Einsatzes für die Weiterentwicklung der Wehrmedizin und -pharmazie. Im letzten Jahr wurde ihm zu Ehren der Platz vor der Aula im Bundeswehrkrankenhaus Ulm als Heinz-Gerngroß Foyer benannt – natürlich hängen hier auch zwei seiner Bilder.

Prof. Dr. med. Horst Peter Becker, Generalarzt a. D.
Prof. Dr. med. Benedikt Friemert, Generalarzt