DiMiMED 2025 – „Blut ist menschlicher Treibstoff“
„Wir können die nächste Krise nicht vorhersagen, aber wir können uns auf ein neues Jahrzehnt vorbereiten!“ – mit diesen Worten eröffnete Brigadier (ret) Dr. Erwin Dhondt, ehemaliger Generalarzt der belgischen Streitkräfte, die 13. DiMiMED Conference in Koblenz, die vom 30. September bis zum 1.Oktober 2025 in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle stattfand. Unter dem Leitmotto
„Anticipating the Unknown – Preparing for the Future“
diskutierten rund 200 Teilnehmende aus 24 Ländern über die Zukunft der Katastrophen- und Militärmedizin (Abbildung 1).
DiMiMED ist die Abkürzung für International Conference on Disaster and Military Medicine. Es handelt sich um eine internationale Fachkonferenz, die sich seit 13 Jahren mit Katastrophen- und Militärmedizin befasst. Die Konferenz bringt zivile und militärische Experten zusammen, um Wissen auszutauschen und die medizinische Versorgung in Krisen- und Einsatzsituationen zu verbessern.
„Schauen Sie sich die Welt um uns herum an!“, so Dhondt. „In der Ukraine arbeiten Ärzte unter Raketenangriffen, führen Operationen in Kellern durch, während Krankenhäuser keinen Strom mehr haben. In Gaza gibt es so viele Opfer, dass jede medizinische Handlung zugleich eine ethische Entscheidung ist.“ (Abbildung 2).
Prof. Dr. Andre Cap, Colonel (MC ret) der US-Streitkräfte, zog in seiner Keynote Presentation Parallelen zu Afghanistan und Irak: Dort galt die 1012-Regel – Verwundete sollten innerhalb von zehn Minuten durch Kameraden, binnen einer Stunde durch Sanitäter versorgt und innerhalb von zwei Stunden in ein Krankenhaus gebracht werden. „Wir haben dieses Land mit medizinischen Evakuierungskapazitäten praktisch überschwemmt“, erklärte Cap. „Ressourcen, die in der Ukraine nicht zur Verfügung stehen.“ Helikopter-Einsätze sind aufgrund der Drohnenbedrohung nicht möglich, und statt zehn Verwundeter pro Tag sind dort oft 1 000 zu versorgen.
Blut bezeichnete Cap als den entscheidenden „menschlichen Treibstoff“. „Wie Diesel für Fahrzeuge muss die Logistikkette bis an die Frontlinie funktionieren.“ In der Ukraine werden Blutkonserven inzwischen per Drohne direkt bis in den Schützengraben transportiert. Außerdem seien Combat Medics – Soldaten mit erweiterter medizinischer Ausbildung – entscheidend, um Verwundete über Stunden oder sogar Tage hinweg stabil zu halten. Die Ukraine habe dieses Konzept schnell umgesetzt, während westliche Streitkräfte hier Nachholbedarf hätten.
Cap warnte zudem vor bürokratischen Hürden: In der Ukraine wurden Gesetze angepasst, damit Soldaten an der Front Bluttransfusionen durchführen können. In NATO-Staaten könnten hingegen juristische Fragen die Versorgung verzögern.
Ein zentraler Vortragsblock war das Thema „Combat Medical Care“, unter dem Vorsitz von Oberfeldarzt Dr. Florent Josse vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Neben anderen wichtigen Vorträgen beeindruckte besonders Dr. Iryna Rybinkina, Anästhesistin am King’s College Hospital in London (GBR), mit ihrem Bericht über ihre Fronteinsätze in der Ukraine.
Viele Kernfragen der Verwundetenversorgung wurden diskutiert. Daneben widmete sich die DiMiMED 2025 auch Zukunftsthemen wie KI-gestützter Diagnostik, Robotik in der Evakuierung, Resilienztrainings, Cyber- und Informationssicherheit in Krankenhäusern sowie der psychologischen Betreuung von Einsatzkräften und dem Umgang mit Mass-Casualty-Szenarien.
Einer der Höhepunkte der Konferenz war die Vorstellung des neuen „Handbook of Military Medicine for the Battlefield“, herausgegeben von Generalleutnant a. D. Prof. Martin Bricknell, Generalarzt a. D. Dr. Joachim Hoitz und Aleksandar Smiljanic. Es soll als praxisnahes, kompaktes Nachschlagewerk für europäische Streitkräfte dienen, ähnlich wie die US-amerikanischen „Fundamentals of Military Medicine“.
Die DiMiMED 2025 zeigte deutlich: Bewährte Konzepte aus früheren Konflikten reichen nicht mehr aus. Nur durch internationale Zusammenarbeit, praxisnahe Ausbildung, moderne Technologien und mutige regulatorische Reformen kann die Militärmedizin für die Herausforderungen künftiger Konflikte und Krisen fit gemacht werden.
Bilder: CPM-Verlag/S. Schuermann
Navid Linnemann
CPM-Verlag Meckenheim
E-Mail: n.linnemann@cpm-verlag.de