Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
„Ombra mai fu“ (aus dem Italienischen „Nie war ein Schatten“) ist eine der berühmtesten Arien von Georg Friedrich Händel. Wenn man dieser Melodie intensiv zuhört, verströmt sie eine erstaunlich beruhigende Wirkung, egal in welcher Fassung sie gespielt wird. Mit dieser entspannenden Ruhe mag wohl auch der im Jahr 2005 viel zu früh verstorbene Oberstarzt Prof. Dr. Heinz Gerngroß das Bild gemalt haben, welches das Titelbild dieser Ausgabe ziert. Viele von Ihnen werden ihn als außergewöhnliche Persönlichkeit, die den Sanitätsdienst geprägt hat, gekannt haben. Er galt als neugierig, aber auch als dynamisch ruhelos. In diesem Jahr 2022 hätte er seinen 75. Geburtstag gefeiert und wäre stolz darauf gewesen, was seine Schüler mit seinen Ideen und seinem Spirit erreicht haben. Nicht zuletzt wurde mit Oberstarzt Prof. Dr. Friemert 2020 zum ersten Mal ein Sanitätsoffizier zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie gewählt. Mittlerweile nimmt der Sanitätsdienst in zahlreichen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland einen gewichtigen Stellenwert ein – Zeugnis beharrlicher konstruktiver Zusammenarbeit. In vielen Gremien der Standesorganisationen und Fachgesellschaften haben Sanitätsoffiziere Platz und Stimme. Diese Entwicklung setzte nach 1992 ein, als der Sanitätsdienst in Kambodscha einen beachtenswerten UN-Einsatz bestritten hatte und die Ergebnisse des Wirkens in der Öffentlichkeit bekannt geworden waren.
Mit dem letzten Heft des Jahres 2022 haben Sie eine besondere Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift vor sich. Das Redaktionsteam hat sich bemüht, mit der Auswahl an Beiträgen für (fast) alle von Ihnen etwas Interessantes und Ihre Interessen Treffendes zum Jahresende zusammenzustellen. Wir sind uns bewusst, dass dieses nicht immer gelingt, zu groß ist das Gesamtspektrum der wehrmedizinischen Themen. Es geht uns in erster Linie darum, ein Gesamtbild der „Fachlichkeit“ im Sanitätsdienst zu vermitteln, möglichst ausgewogen aus allen Approbationen, Fachgebieten und Spezialisierungen.
Wir alle müssen uns auf einen Wandel auch in Bezug auf unsere persönlichen strategischen Ambitionen einstellen. Die tiefgreifende gesellschaftliche Transformation, die wir gerade durchmachen, der Klimawandel und seine Folgen, Kriege und andere die Welt beherrschende Krisen zwingen uns, Ziele und Pläne neu zu denken und zu formulieren. Wir sollten versuchen, zum Jahresende ein wenig innezuhalten, uns neu zu justieren und mit Mut und Zuversicht in das kommende Jahr zu blicken. Vielleicht kann uns eine Betrachtung des Titelbildes „Ombra mai fu“ oder das Anhören von Händels gleichnamiger Arie dabei helfen.
Das gesamte Redaktionsteam wünscht Ihnen, Ihren Familien und Lebenspartnern einen friedvollen Jahresausklang und einen guten Start in das Jahr 2023.
Ihr
Horst-Peter Becker