Forscher aus dem Schifffahrtmedizinischem Institut der Marine erhält den renommierten John Grube Forschungspreis 2023
Flotillenarzt Dr. med. Sebastian Klapa, Fachgebietsleiter am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine (SMIM) im Bereich Forschung und Lehre, erhielt im Rahmen der Auftaktveranstaltung des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRH), den mit 15 000 € weltweit höchstdotierten und renommierten John Grube Forschungspreis im Bereich der entzündlichen Gefäßerkrankungen (Vaskulitiden), zusammen mit dem Lübecker Forscher Prof. Dr. Peter Lamprecht. Damit würdigt die John Grube Foundation zusammen mit der DGRH die bisherige wissenschaftliche Arbeit von Flottillenarzt Dr. Klapa zum Verständnis der Entstehung von Vaskulitiden und die damit verbundenen zukünftigen neuen Therapieoptionen der mitunter lebensbedrohlichen Erkrankungen.
FTLA Dr.med. Sebastian Klapa (links) und Abteilungsleiter III SMIM FLA Prof.Dr.med. Andreas Koch. (Foto privat)
Bereits 2018 gelang dem Kieler Internisten und Rheumatologen zusammen mit einem internationalen Forscherteam die Erstbeschreibung von physiologischen Autoantikörpern, welche gegen an G-Protein gekoppelte Rezeptoren gerichtet sind (anti-GPCR abs; Cabral-Marques O et al. Nature Communications, 2018). Damit wurde zum einen eine bis dahin feststehende Lehrmeinung widerlegt, bei der prinzipiell jeder Antikörper gegen körpereigene Bestandteile als pathologisch und somit krankheitsauslösend zu bewerten ist, wie z. B. anti-CCP Antikörper bei der rheumatoiden Arthritis, zum anderen konnte der regulative Einfluss des Immunsystems auch auf andere Körperfunktionen wie Blutdruck und Herzfrequenz nachgewiesen werden.
Flottillenarzt Dr. Klapa forscht seit 2014 am SMIM u. a. über die Einwirkung von wechselnden Umweltfaktoren, wie z. B. der Hyperoxie beim Tauchen, auf das Immunsystem, im Speziellen auf die menschlichen Gefäße. Die Bedeutung der anti-GPCR abs. in der Entstehung und im klinischen Verlauf bei Vaskulitiden konnte bereits ein Jahr nach der Erstbeschreibung bei der häufigsten Vaskulitis, der Riesenzellarteriitis, gezeigt werden (Klapa S et al. Annals of the Rheumatic Diseases 2019). Die Verleihung des John Grube Forschungspreises 2023 fußt insbesondere auf der diesjährigen Veröffentlichung, welche sich mit der Bedeutung von anti-GPCR abs. gegen Rezeptoren des Komplementsystems (C3aR und C5aR) bei der ANCA-assoziierten Kleingefäßvaskulitis (AAV) befasst. FTLA Dr. med. Klapa konnte zusammen mit internationalen Kooperationspartnern die Bedeutung dieser anti-C5aR und anti-C3aR Antikörper bei der AAV als neuen Biomarker implementieren. Darüber hinaus gelang erstmals der Nachweis dieser Rezeptoren auf T-Zellen von erkrankten Patienten. Damit fungiert insbesondere der Komplementrezeptor 5a als Immuncheckpoint bei der AAV (Klapa S, Müller A, Koch A, Kerstein-Stähle A, Kähler W, Heidecke H, Schinke S, Huber-Lang M, Nitschke M, Pitann S, Augustin S, Karsten CM, Riemekasten G, Lamprecht P. Low Concentrations of C5a Complement Receptor Antibodies Are Linked to Disease Activity and Relapse in Antineutrophil Cytoplasmic Autoantibody-Associated Vasculitis. Arthritis Rheumatol. 2023 May;75(5): 760–767).
Die Forschung zu dieser Interaktion von Antikörpern und Komplementrezeptoren schafft die Grundlage für neue individualisierte Therapiemöglichkeiten und erweitert das Verständnis des Einflusses des Immunsystem als regulatorische Einheit. Mit Avacopan steht ferner seit dem Frühjahr 2023 erstmals ein oraler Komplementrezeptor 5a-Inhibitor auch in Deutschland zur Behandlung der schweren AVV zur Verfügung. Für Flottillenarzt Dr. Sebastian Klapa bedeutet dieser Preis insbesondere eine Verbesserung der Sichtbarkeit von seltenen Erkrankungen und Übertragung der Erkenntnisse der immunologischen Forschung in die klinische Anwendbarkeit.
Flottenarzt
Prof. Dr. med. Andreas Koch
Schifffahrtmedizinisches Institut der Marine
Abteilungsleiter III
Kopperpahler Allee 120, 24119 Kronshagen