Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
schon ist das erste Quartal des Jahres 2023 vorbei. Die Weltpolitik nimmt ihren teilweise fatalen Lauf und man hat den Eindruck, dass vieles in den aktuellen Krisenlagen nicht mehr zu beeinflussen ist. So wird beispielsweise immer mehr evident, dass sich die Erwärmung der Erde nur noch in begrenzten Maßen aufhalten lässt. Die anhaltende Dürre in Europa nimmt erschreckende Ausmaße an, weil die aktuellen Niederschlagsmengen definitiv zu gering sind. Eine durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht.
Wie soll man nun als Bürger und Bürgerin mit den Perspektiven des Lebens umgehen, die sich vordergründig nicht ändern lassen? Man könnte sich mehr innere Gelassenheit gönnen – aus dem Altgriechischen als Ataraxie bekannt –, gleichermaßen ein Egal-Gefühl entwickeln und die misslichen Krisenlagen einfach ertragen. Dieser Lösungsweg führt jedoch in die Inaktivität und in eine Art Selbstisolation, die nicht erwünscht ist. Die lohnendere Alternative ist mit Sicherheit, die Realität zu begreifen und für sich zu akzeptieren, dass sich Umstände unumkehrbar verändert haben. Im Sinne dieses Selbst-Realismus gilt es zu entscheiden, wo ein individueller Beitrag nutzbringend und erfolgversprechend ist. Mit rationalem Vorgehen wird diese Einsicht letztlich auch in einem persönlichen Beitrag zum Bremsen des Klimawandels münden.
Eine erfolgreiche Zukunftsplanung führt in diesen Tagen nur über objektive Information, die verlässlich mit modernen wissenschaftlichen Methoden gewonnen wird. Probleme der Gegenwart lassen sich nicht mit Konzepten aus der Vergangenheit lösen – so jüngst gesehen und gehört auf der 30. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Chirurgischen Sanitätsoffiziere (ARCHIS) Anfang März in Bad Nauheim. Die Dauerfrage, welche fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten Militärchirurgen in Zukunft nachweisen müssen, muss unter den Gesichtspunkten der Landes- und Bündnisverteidigung überprüft werden. Mit Inkrafttreten der neuen Weiterbildungsordnung für Ärzte in Deutschland haben sich zudem die Ausbildungsbedingungen durchgreifend geändert. Daher wird diese Frage jetzt im Rahmen eines Projektauftrages untersucht, bei dem aktuell verfügbare Literatur von einer Arbeitsgruppe wissenschaftlich analysiert wird. Ziel ist es, ein praktikables Ausbildungskonzept zu erstellen, das sowohl Anforderungen der Ärztekammern genügt als auf die Bedürfnisse des Sanitätsdienstes abgestimmt ist. Wir werden mit Sicherheit darüber demnächst berichten.
Diese Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift zeigt erneut das weite Spektrum der Arbeitsgebiete im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Die Arbeitsgruppe um Manuela Andrea Hoffmann hat in einer ersten Datenauswertung die Auswirkungen von „Adipositas“ und „Arterieller Hypertonie“ auf die individuelle Verwendungsfähigkeit untersucht. Tannheimer und Lechner zeigen, dass auch in großer Höhe eine einfache Vor-Ort-Therapie des Lungenödems möglich ist. Stockel et al. beschäftigen sich in ihrer zukunftsweisenden Studie mit der drohnengestützten Gewinnung von Vitalparameterdaten. Von Stachulski und Schönfeld wird präsentiert, wie im Rahmen der Schlaganfall-Vorbeugung durch Einsatz Künstlicher Intelligenz aus EKG-Daten Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden können. Beyrich und Vortkamp schließen den Artikelteil mit einem gelungenen Beitrag über die Neuroborreliose ab. Berichte über ausgewählte aktuelle Aktivitäten des Sanitätsdienstes sowie der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie runden diese Ausgabe ab, für deren Lektüre ich Ihnen interessante Stunden wünsche.
Herzlichst
Ihr Horst Peter Becker
Chefredakteur