Sehr geehrte Leserin, sehr
geehrter Leser!
Verehrte Kameradinnen und Kameraden!
Erkrankungen in und aus Ländern der Tropen und Subtropen sind seit jeher eine Herausforderung für die Militärmedizin. Oft unvorbereitet ereilten parasitäre, virale und bakterielle Erkrankungen durch die Jahrhunderte hindurch Einsatzkontingente und führten zu einer Morbidität und Mortalität, die letztlich oft entscheidend für Sieg oder Niederlage waren. Bis heute sind wissenschaftliche Expeditionen, private Reisen und die zivile Seefahrt ebenfalls betroffen. So ist es nur folgerichtig, dass maritime Medizin sowie Reise- und Tropenmedizin eng miteinander verwoben sind und auch für die weltweiten Einsätze der Bundeswehr eine maßgebliche Rolle spielen. Das gilt für die Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung individueller Erkrankungen sowie für das Management von Krankheitsausbrüchen.
Der Grundstein der heutigen Tropenmedizin in der Bundeswehr wurde in den frühen 1990er Jahren durch die Gruppe um Dr. Gerhard Boecken im Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine gelegt. Mit Professionalität, früher Expertise und der nötigen Beharrlichkeit öffnete diese Gruppe den Weg zu einer anspruchsvollen Ausbildung junger Sanitätsoffiziere in Deutschland und in Krankenhäusern in den Tropen. Brasilien, Ghana, Tansania, Thailand oder der Senegal sind nur eine Auswahl der Länder, in denen die notwendigen Weiterbildungsmonate absolviert werden, die schließlich zur „Zusatzbezeichnung Tropenmedizin“ führen.
Heute – 2026 – wird die Tropenmedizin in der Bundeswehr geprägt von klinischer und wissenschaftlicher Arbeit in zivil-militärischer Kooperation. In Hamburg arbeiten das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das Universitätsklinikum Eppendorf und das Bundeswehrkrankenhaus seit mittlerweile 20 Jahren erfolgreich und effizient zusammen. Das Berliner Bundeswehrkrankenhaus kooperiert mit der Charité. So ist es nur folgerichtig, dass diese beiden Bundeswehrkrankenhäuser im Systemverbund der klinischen Militärmedizin die Infektions- und Tropenmedizin federführend für alle Bundeswehrkrankenhäuser gestalten.
Dabei wird es künftig auch darauf ankommen, die Folgen des Klimawandels für das Krankheits- und Erregerspektrum in Deutschland zu berücksichtigen. Durch die aktuelle Ausbreitung verschiedenster Vektoren ist das vermehrte Auftreten von „vector borne diseases“ auch in Zentraleuropa keine Frage des „ob“, sondern des „wann“. Die Corona-Pandemie hat exemplarisch belegt, wie wenig wir auf derartige Geschehen klinisch, diagnostisch, öffentlich-rechtlich und auch kommunikativ vorbereitet sind. Da für viele Krankheiten keine regionale Begrenzung mehr möglich ist, ist es konsequent, die Tropen- und Infektionsmedizin gemeinsam weiterzuentwickeln. Dies gilt sektorübergreifend für den stationären und den ambulanten Bereich sowie für die Aufgaben der Public Health.
Auch die Erkenntnisse aus der Ukraine belegen, dass multiresistente Erreger Gesundheitssysteme, insbesondere in Krisen und Kriegen, vor maximal komplexe Herausforderungen stellen. Wir sollten also nicht nur in der Militärmedizin neben den Themen der Traumaversorgung die Infektions- und Tropenkrankheiten keinesfalls aus dem Blick verlieren. Es gilt heute, die Kontrolle dieser Erkrankungen unter Berücksichtigung aller Aspekte der Prävention, Diagnostik und Therapie sowie des Managements von Ausbrüchen in zivil-militärischen Verbünden zu üben und uns so gezielt vorzubereiten.
Mit unseren zivilen Partnern stellen wir uns diesen Aufgaben evidenzbasiert, professionell und zukunftsweisend. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem Universitätsklinikum Eppendorf für die 20-jährige wertschätzende und fruchtbare Kooperation. Dies schließt ausdrücklich unsere Kooperationspartner im globalen Süden ein, von denen wir auf Augenhöhe lernen. Mit dem Team unseres Bundeswehrkrankenhauses freue ich mich auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit.
Dr. Thomas Harbaum
Generalarzt
Kommandeur und Ärztlicher Direktor des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg