Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
Empfinden Sie den Umgang mit der Künstlichen Intelligenz, der sogenannten KI, auch als großen Hype, oder schlimmer noch als riesige Blase, die irgendwann platzen wird? Nahezu jedes Geschäftsfeld nutzt mittlerweile KI-Anwendungen, um Prozesse präziser zu steuern und die Arbeitslast für Menschen zu reduzieren – für qualitativ hochwertigere Ergebnisse mit geringerem Aufwand. Man gewinnt den Eindruck, als drehe die ganze Welt an einem riesigen Rad: immer schneller, höher, weiter. Und das gilt natürlich auch für die Medizin, doch mit welchem Nutzen?
Wir wollten wissen, welche Gebiete der Medizin möglicherweise bereits erfolgreich mit KI arbeiten können. Der Leitartikel dieses Heftes von Huang und Koautoren aus Taiwan macht deutlich, wie die Versorgung eines Massenanfalls von Patienten mit großem technischem Aufwand verbessert werden kann. Gerade am Beispiel des Desaster-Managements zeigt sich, mit welcher rasanten Geschwindigkeit computer- und KI-gestützte Anwendungen entwickelt und sinnvoll implementiert werden.
Wir befragten aber auch die folgenden klinischen Fächer und baten kompetente Abteilungsdirektoren um ihre Einschätzung: Pathologie, Radiologie, Dermatologie, Unfallchirurgie und prähospitale Anästhesie. Die Zusammenschau der Beiträge dieser Ausgabe zeigt, dass die Autorinnen und Autoren sich durchaus der Vorteile der KI in ihren jeweiligen Fächern, insbesondere in der Diagnostik und in der klinischen Entscheidungsunterstützung, bewusst sind. Dennoch bleibt am Ende der Prozesse Skepsis und die einhellige Feststellung, dass im Bereich der Medizin das persönliche und kompetente Urteil des behandelnden Arztes nicht von der KI-gestützten Leistung abgekoppelt werden darf. Wir sollten uns keine ärztlichen Chatbots heranzüchten, die am Patienten zwischen Gut und Böse unterscheiden dürfen. Und wir müssen auch daran denken, dass wir unsere Patienten auch dann versorgen müssen, wenn in Krisensituationen der Strom für die energieintensive KI einmal nicht flächendeckend zur Verfügung steht.
Zum Jahresschluss möchten wir uns bei Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, sehr herzlich für Ihre Unterstützung und Aufmerksamkeit im Laufe des Jahres bedanken. Wir sind ein kleines, aber feines Team, das sich um die Belange der Wehrmedizinischen Monatsschrift kümmert, und wir streben an, Ihnen immer aktuelle Informationen aus dem Sanitätsdienst zu präsentieren. Auch wir nutzen die Vorteile der KI. Seit Jahresbeginn verfügen wir über ein KI-gestütztes Lektorat sowie eine entsprechende Übersetzungssoftware.
Das Team der WMM, zusammen mit dem Gast-Editor dieser Ausgabe, wünscht Ihnen allen ein friedvolles Weihnachtsfest und einen gelingenden Wechsel in ein gutes Jahr 2026.
Herzlichst Ihre
Horst Peter Becker, Chefredakteur
Jörg Schönfeld, Gast-Editor dieser Ausgabe