Nachruf auf Oberfeldarzt Dr. Hartmut Dippel

Am 13. Mai 2024 ist Oberfeldarzt Dr. Hartmut Dippel im Alter von 58 Jahren völlig unerwartet und für uns alle unfassbar von uns gegangen. Sein Tod mitten aus dem voll aktiven Arbeitsleben eines Militärchirurgen verdient diesen besonderen Nachruf!

Hartmut Dippel hinterlässt eine Ehefrau und vier Kinder, besonders Ihnen gilt unser aufrichtiges Mitgefühl und unsere gemeinsame Trauer. Wir wünschen Ihnen alle Kraft dieser Welt, die man sich nur erdenken kann, um mit dem Unerklärbaren leben zu können.

Hartmut Dippel war ein seit Jahren erfahrener Operateur und Leitender Oberarzt der Sektion Visceralchirurgie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Mit seiner extrem hohen Expertise war er immer ein Garant für hochqualitative operative Ergebnisse im Bereich der großen Bauchchirurgie. Insbesondere als Da Vinci-Darmchirurg und Referenzoperateur für das zertifizierte Darmkrebszentrum wird Oberfeldarzt Dr. Dippel sehr fehlen und nur schwer zu ersetzen sein.

Das Studium der Humanmedizin absolvierte Dr. Dippel an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Nach Erhalt der Approbation im Juli 1997 war Hartmut Dippel bis zum Januar 1998 am damaligen Bundeswehrkrankenhaus Hamm in der Chirurgie tätig. Im Anschluss an die erste klinische Verwendung absolvierte Dr. Dippel seine Truppenarztzeit von Februar 1998 bis Oktober 2000 in Rheine und in Aalen/Westfalen. Ab Oktober 2000 war Dr. Dippel bis zu seinem Tod am Bundeswehrkrankenhaus Ulm tätig. Er war seit 2008 Oberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie und leitete seit 2015 die Sektion der Koloproktologie.

Im September 2004 erlangte Dr. Dippel die Anerkennung zum Facharzt für Chirurgie, im Juni 2018 bestand er erfolgreich die Facharztprüfung zum Visceralchirurgen, gleichzeitig wurde ihm die Berufsbezeichnung „Spezieller Visceralchirurg“ zuerkannt. Im November 2008 wurde Dr. Dippel von der Universität Ulm aufgrund der Dissertation „Einjahres-Ergebnisse nach Leistenoperation mit Transabdominaler Präperitonealer Patchplastik“ der Titel „Dr. med.“ zuerkannt.

Dr. Dippel trug wesentlich dazu bei, die Da Vinci-Operationstechnik in der Visceralchirurgie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm zu etablieren. Er war der erste Da Vinci-­Operateur im Bundeswehrkrankenhaus.

Und er hatte ein sehr gutes Auge für die berühmten chirurgischen Kleinigkeiten. Für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen wird er besonders als chirurgischer Lehrer mit außerordentlichen didaktischen Fähigkeiten nicht mehr da sein. Sowohl am Patientenbett als auch am Operationstisch lag ihm die Ausbildung junger ärztlicher Mitarbeiter ganz besonders am Herzen.

Oberfeldarzt Dr. Dippel hat insgesamt an acht Auslandseinsätzen der Bundeswehr auf dem Balkan und in Afghanistan teilgenommen.

Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Sanitätsoffizier und Chirurg war Dr. Dippel überaus aktiv in der Ulmer Kunstszene, seit 2009 war er 1. Vorsitzender des Ulmer Kunstvereins. In dieser Funktion war er ein absoluter Macher. Er holte Künstler nach Ulm, von denen mancher Galerist nur träumen kann, den Street-art Künstler GOIN oder Gotfried Helnwein, um nur zwei zu nennen.

Der Tod von Dr. Dippel macht uns alle im chirurgischen Team, aber auch im gesamten Bundeswehrkrankenhaus Ulm sehr betroffen. Er wird in unseren Köpfen, mehr noch unseren Herzen als guter und liebenswerter Mensch in steter Erinnerung bleiben. Wir trauern gemeinsam um eine komplexe Persönlichkeit mit vielen Facetten. Dr. Dippel war ein besonderer Mensch mit außergewöhnlichen Charaktermerkmalen, chirurgisch kurz und bündig, eckig und kantig, ausgestattet mit einem ganz besonderen Humor, liebenswert und ehrlich.

Oberstarzt Prof. Dr. Roland Schmidt

Bundeswehrkrankenhaus Ulm