Metabolische Profile im Leistungssport und militärischen Kontext:
Die Bedeutung der νLa.max für differenzierte Leistungsdiagnostik und präventive Trainingssteuerung
Frederik Schünemann
Einleitung
In den leistungssportlichen Disziplinen und den Teilstreitkräften der Bundeswehr variiert das Anforderungsprofil des Energiestoffwechsels erheblich, abhängig von den spezifischen physischen und taktischen Anforderungen der jeweiligen Sportart oder militärischen Einheit. Die optimale Steuerung des Energiestoffwechsels ist entscheidend, um sowohl die Leistungsfähigkeit zu maximieren als auch die Erholungszeit zu minimieren. Während die aerobe Leistungsfähigkeit (VO2max) als gängiger diagnostischer Parameter breit erforscht und in der Trainingssteuerung etabliert ist, wurde die Bedeutung der anaerob-glykolytischen Leistungsfähigkeit, dargestellt durch die maximale glykolytische Rate (νLa.max), in der Leistungsdiagnostik sowohl im Hochleistungssport als auch im militärischen Kontext bislang vernachlässigt. Eine systematische Erfassung der νLa.max könnte jedoch wertvolle Erkenntnisse für die differenzierte Trainingssteuerung liefern, insbesondere für kurze, intensive Belastungen, die charakteristisch für viele sportliche und militärische Anforderungen sind. Daher bietet die gleichzeitige Erfassung der aeroben und anaeroben Kapazitäten ein umfassenderes Bild des metabolischen Profils und könnte zur Optimierung von Trainingsplänen und Belastungssteuerung beitragen.
Methodik
Zehn Ruderer (7 männlich, 3 weiblich; Alter: 19,8 ± 0,9 Jahre, Größe: 18,2 ± 7.0 cm, Gewicht: 79,9 ± 13,4 kg) führten einen 10-Sekunden-Sprinttest auf einem Ruderergometer durch. In einer zweiten Studie absolvierten 21 Probanden (13 männlich, 8 weiblich; Alter: 23,1 ± 2 0 Jahre, Größe: 177,1 ± 8,4 cm, Gewicht: 74,2 ± 11,9 kg) fünf 15-Sekunden-Laufsprinttests an verschiedenen Tagen unter verschiedenen Bedingungen durch. Baseline: Ruhelaktat (Larest) ≤ 1.5 mmol/L; Laktat+: Larest ≥2,5 mmol/L; CHO-: Kohlenhydratzufuhr ≤ 1 g/kg/d für drei Tage; CHO+: Kohlenhydratzufuhr ≥ 9 g/kg/dfür einen Tag; und acuteCHO: 500 ml zuckerhaltiges Getränk. Nach 10-minütiger Erwärmung folgte ein 15-sekündiger Maximalsprint auf einer Laufbahn. Blutlaktatproben wurden in Ruhe und minütlich nach der Belastung entnommen. Die νLa.max wurde bestimmt mittels folgender Formel:
(max[LA]post-[LA]rest) / (t ex – t alac)
Unterschiede zwischen den Bedingungen und Zeitpunkten wurden mittels Friedman-ANOVA mit dem Dunn‘s Post-Hoc-Test analysiert. Korrelationen wurden mittels Spearman-Rank Analysen durchgeführt. Die Irrtumswahrscheinlichkeit wurde mit p < 0.05 als statistisch signifikant angenommen.
Ergebnisse
Im Rudersport korrelierte ein hoher νLa.max-Wert signifikant mit höheren Leistungswerten auf den ersten 300 Metern eines 2000-Meter-Rennens (R2 = 0.75, p < 0.01) während geringe νLa.max-Werte eine verbesserte anaerobe Laktatschwelle bedingen. Die νLa.max variierte in unserem Kollektiv von 0.29 bis 0.66 mmol/L-1/s-1. Erhöhte Ruhelaktatwerte und verringerte Kohlenhydratzufuhr verringert signifikant die Laktatakkumulation nach einem Sprinttest und damit auch die νLa.max (beide p < 0.01).
Schlussfolgerung
Die νLa.max ist ein entscheidender Parameter für Belastungen, die hohe Leistungen in kurzer Zeit erfordern, wie etwa bei infanteristischen Einsatztätigkeiten. Standardisierte Ruhelaktatwerte und eine kontrollierte Ernährung sind jedoch notwendig, um die νLa.max zuverlässig messen zu können. Für die Bundeswehr könnte dieser Parameter von Bedeutung sein, um präzisere Einschätzungen der körperlichen Belastbarkeit zu ermöglichen und eine effektivere Trainingsgestaltung zu unterstützen, was langfristig die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des militärischen Personals fördert. Je nach Anforderungsprofil könnte dies auch eine optimierte Zuordnung zu militärischen Einheiten ermöglichen.
Literatur
- Schünemann F. Park SY, Wawer C et al.: Diagnostics of VLamax and Glycolytic Energy Contribution Indicate Individual Characteristics of Anaerobic Glycolytic Energy Metabolism Contributing to Rowing Performance. Metabolites 2023; 13(3): 317. mehr lesen
Verfasser
Frederik Schünemann
Stiftung Universität Hildesheim
Institut für Sportwissenschaft
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