Editorial

Sehr geehrte Leserin,

sehr geehrter Leser,

mit offener und ehrlicher Freude darf ich Ihnen die gemeinsam mit dem Chefredakteur von langer Hand geplante Jubiläumsausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift zum 30-jährigen Bestehen des Arbeitskreises Einsatzmedizin (ARCHIS) der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V. (DGWMP) präsentieren.

1993 als „Arbeitskreis der chirurgisch tätigen Sanitätsoffiziere“ (ARCHIS) gegründet, wurde diese Gruppe der Chirurgen später als eigenständiger Arbeitskreis „Einsatzmedizin“ in die DGWMP aufgenommen und freut sich seitdem auch über das Mitwirken von benachbarten, einsatzrelevanten Fachdisziplinen. Das Akronym „ARCHIS“ blieb im Namen traditionell erhalten, deutet auf ihren Ursprung und ist dem Arbeitskreis gleichsam auch eine Verpflichtung.

Die Gemeinschaft der deutschen Militärchirurgen wächst in eine neue Zeit, in der sich die Herausforderungen und Rahmenbedingungen wie selten zuvor verändern. Das Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung erhält eine von vielen nicht mehr erwartete Aktualität. Die chirurgische Aus- und Weiterbildung steht in Folge der zunehmenden, vor allem in Europa, aber auch hierzulande bereits stattgehabten Sub- und Superspezialisierung im Fachgebiet, in den nächsten Jahren vor einer enormen strukturellen Veränderung. So stellt sich in zivilen allgemein- und viszeralchirurgischen Kliniken nicht mehr die Frage, ob konventionell oder minimalinvasiv, sondern ob minimalinvasiv oder robotisch operiert wird. Zentrums- und zertifizierte Chirurgie verändern die Kliniklandschaft radikal und werden dies noch weiter tun. Diese Umwälzungen betreffen in unterschiedlicher Ausprägung alle chirurgischen Fächer.

Umso mehr gilt es bereits jetzt, im Sanitätsdienst zu reagieren, um für die nächsten Jahre die Weichen für eine planbare, effiziente und dem Bedarf der Bundeswehr angepasste Weiterbildung des militärchirurgischen Nachwuchses sicherzustellen.

Die bereits im Editorial der Vorausgabe angekündigten Ergebnisse der damit befassten Arbeitsgruppe können nun präsentiert werden. Sie stellen einen Konzeptentwurf dar, der alle beteiligten Entscheidungsebenen einbezieht und dessen Umsetzung mit relevanten Umstrukturierungen verbunden sein dürfte. Er bietet aber, bei aller gebotenen Notwendigkeit der Reaktion auf die strukturellen Veränderungen der chirurgischen Weiterbildung, auch eine große Chance.

Die vorliegende Ausgabe bietet aber noch viel mehr. Es finden sich neben dem eigentlichen Tagungsbericht über die 30. ARCHIS-Tagung auch zahlreiche wissenschaftlich hochkarätige Artikel. Übersichtsartikel wie die Arbeit zur Evidenz der Laparostomatherapie, also der Behandlung des offenen Abdomens, fassen jahrelange Forschungsergebnisse und ein ganzes Bündel von Publikationen in ihrer Essenz zusammen.

Dass die Chirurgie auch weiterhin im Schulterschluss mit ihren benachbarten Disziplinen steht, wird durch die hier veröffentlichten Artikel neurochirurgischer, thoraxchirurgischer und herzchirurgischer Kollegen bewiesen. Die vorliegende Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift vereint visionäre Projektierung, wissenschaftliches Arbeiten und fachübergreifende Expertise.

Ich wünsche Ihnen nun bei der Lektüre dieses besonderen Heftes zum 30-jährigen Bestehen der ARCHIS eine informative und angenehme Zeit.

Herzlichst Ihr

Christoph Güsgen

Vorsitzender AK Einsatzmedizin ARCHIS