Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-Computertomografie

Volker Harth

Wissenschaftlicher Hintergrund

Früherkennung ist bei Lungenkrebs ein entscheidender Faktor, der die Überlebenswahrscheinlichkeit beeinflusst. Klinische Studien haben den Nutzen eines jährlichen Lungenkrebs-Screenings mittels Niedrigdosis-Computertomografie (LDCT) in bestimmten Risikogruppen untersucht und eine Reduktion der tumorspezifischen Mortalität gezeigt. Die Risikopopulation wird in der Regel durch Alter und Tabakkonsum definiert. Ein wesentlicher beruflicher Risikofaktor für Lungenkrebs ist die Exposition gegenüber Asbeststaub.

Erweitertes Vorsorgeangebot der DGUV

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bietet unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Evidenz seit 2014 im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge sowie bei Versicherten mit anerkannter Berufskrankheit-Nr. 4103 das „Erweiterte Vorsorgeangebot zur Früherkennung von Lungenkrebs“ (EVA-Lunge) an. Neben einer definierten beruflichen Asbeststaubexposition wird die Risikogruppe über das Alter (≥55 Jahre) und den Tabakkonsum (≥30 Packungsjahre) bestimmt.

Das Forschungsvorhaben EVALUNG

Ziel des begleitenden Forschungsvorhabens EVALUNG ist die Evaluation von EVA-Lunge mit einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Komponenten.

Methoden

Der quantitative Teil umfasst die Analyse von administrativen und medizinischen Routinedaten aus dem Vorsorgeangebot. Relevante Endpunkte sind das Teilnahmeverhalten, die Detektionsrate von Lungenkrebs einschließlich Tumorstadien und -charakteristika, die Anzahl abklärungsbedürftiger Befunde sowie die Anzeige und Anerkennung von asbestbedingten Berufskrankheiten. Im qualitativen Teil von EVALUNG werden die Einstellungen und Erfahrungen im Rahmen des Vorsorgeangebots sowohl von teilnehmenden Versicherten als auch von durchführenden Ärzten und Ärztinnen mittels qualitativer Interviews erhoben. Außerdem wurde eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe zur Unterstützung der ärztlichen Beratung entwickelt und pilotiert.

Aktueller Stand

Nach Sichtung von Testdatensätzen wird derzeit die Übermittlung von vollständigen Datensätzen für die quantitativen Analysen vorbereitet. Die Durchführung qualitativer Interviews ist weitestgehend abgeschlossen. Die Pilotierung der Entscheidungshilfe hat gezeigt, dass diese von den Versicherten als verständlich bewertet wird und eine empfehlenswerte Ergänzung zur ärztlichen Beratung darstellt.

Diskussion

Das Forschungsvorhaben EVALUNG (DGUV-Forschungsförderung, Projekt-Nr. FFFB 0325) widmet sich der Generierung von praxisrelevantem Wissen zur Lungenkrebs-Früherkennung mittels LDCT im Rahmen eines strukturierten Angebots der DGUV. Bei Bedarf können Anpassungen bzw. Optimierungen vorgenommen werden.

Stand der Lungenkrebs-Früherkennung in Deutschland

Die Ergebnisse von EVALUNG sind auch im Hinblick auf die mögliche Einführung eines nationalen Programms zur Früherkennung von Lungenkrebs relevant. Zum 1. Juli 2024 ist die Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung in Kraft getreten, nach welcher die Anwendung von LDCT nun für bestimmte Risikogruppen und unter Einhaltung definierter Kriterien strahlenschutzrechtlich zulässig ist. Derzeit berät der Gemeinsame Bundesausschuss über die Einführung einer risikoadaptierten Lungenkrebs-Früherkennung als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die zu erwartenden Ergebnisse aus EVALUNG können bei diesbezüglichen Planungen praxisrelevante Hinweise liefern.

Fazit

  • Die Evaluation des Vorsorgeangebots „EVA-Lunge“ umfasst verschiedene Komponenten, welche die Identifikation von Optimierungspotenzial sowie eine umfassende Qualitätssicherung ermöglichen.
  • Die gewonnenen Erkenntnisse können zudem praxisrelevante Hinweise für die Implementierung eines nationalen Lungenkrebs-Screenings liefern.

Weiterführender Link

DGUV: EVALUNG - Evaluation und Qualitätssicherung im erweiterten Vorsorgeangebot der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zur Früherkennung von asbestbedingten Lungenerkrankungen mittels Niedrigdosis-Computertomographie. DGUV-Projektverzeichnis: <https://www.dguv.de/ifa/forschung/projektverzeichnis/ff-fb0325.jsp>, letzter Aufruf 1. Oktober 2024.

Verfasser

Prof. Dr. Volker Harth MPH
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin
Seewartenstraße 10, 20459 Hamburg
E-Mail: harth@uke.de

Das Projektdatenblatt zu EVALUNG finden Sie hier.