Führen, Ausbilden und Erziehen!

Hans-Ulrich Holtherma

a Kommandeur der Sanitätsakademie

Was hat der zentrale, in der Konzeption der Inneren Führung verankerte Dreiklang „Führen, Ausbilden und Erziehen“ in einem Sonderheft der WMM zu einem fachlichen Thema mit dem Tenor „Junge Wilde Chirurginnen und Chirurgen und die Zukunft der Chirurgie in der ­Bundeswehr“ zu suchen?

Fachliche Exzellenz und kontinuierliche auf Landes- und Bündnisverteidigung fokussierte Weiterentwicklung ihrer Kompetenz, und hier insbesondere des chirurgischen Könnens, sind eine Selbstverständlichkeit für jeden Militärchirurgen und jede Militärchirurgin im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Aber reicht das aus, um den Streitkräften in allen Einsatzoptionen die bestmögliche chirurgische Versorgung zu bieten? Nein, natürlich nicht, denn unsere Chirurginnen und Chirurgen sind nicht nur herausragende Spezialisten in ihrem Fach, sondern auch hochrangige Offizierinnen und Offiziere (Abbildung 1). Das ist der Wesenskern und das Selbstverständnis jedes Angehörigen der Sanitätstruppe. Dieses Selbstverständnis verlangt eine Vorbildfunktion in Haltung, Disziplin und Pflichterfüllung. Die Sanitätsakademie der Bundeswehr als Truppenschule des Sanitätsdienstes für alle Unteroffiziere, Feldwebel und Offiziere hat den Auftrag, dem Führungsnachwuchs in der Laufbahnausbildung das zuvor skizzierte Selbstverständnis zu vermitteln.

Abb. 1: Sanitätsoffizierin und Chirurgin (Bildquelle: Sanitätsakademie der Bundeswehr).

Entsprechend den Grundlagen der Inneren Führung in der Bundeswehr beeinflussen Führungskräfte im Sanitätsdienst durch Vorbildfunktion, Aus- und Charakter­bildung sowie durch eigene Haltung und Verhalten ­maßgeblich die Ausprägung und das soldatische Selbstverständnis ihrer Untergebenen. Dabei sind zum einen Führen mit Auftrag, Vertrauen, Fürsorge sowie zum anderen Mut, verantwortliche Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude und eine angemessene Fehlerkultur von zentraler Bedeutung.

Durch die Vermittlung dieser Führungskultur in den Laufbahnlehrgängen unseres sanitätsdienstlichen Führungspersonals in Verbindung mit fachlicher Exzellenz leistet die Sanitätsakademie der Bundeswehr einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung einer umfassenden wehrmedizinischen Versorgung aller Soldatinnen und Soldaten in Frieden, Krise und Krieg.

Abb. 2: Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm (Bildquelle: Sanitätsakademie der Bundeswehr).

Chirurginnen und Chirurgen der Bundeswehr haben als Sanitätsoffiziere und Sanitätsoffizierinnen die Pflicht, nicht nur ihre fachliche Exzellenz, sondern auch ihr soldatisches Selbstverständnis als Führende, Ausbildende und Erziehende kontinuierlich und einsatzorientiert weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung findet fachlich kontinuierlich in den Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr, insbesondere in unseren Bundeswehrkrankenhäusern, statt. Das soldatische Selbstverständnis wird neben der Laufbahnausbildung an der Sanitätsakademie durch Führungslehrgänge bis hin zum Lehrgang für den Generals- und Admiralstabsdienst sowie insbesondere durch Einsatz und Übungen mit der Truppe gefördert.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und der daraufhin vom Bundeskanzler 2022 ausgerufenen Zeitenwende erfordert die Sicherheitslage in Europa die Fokussierung der Bundeswehr auf Landes- und Bündnisverteidigung. Daraus folgt eine Intensivierung der Übungstätigkeit mit der Truppe für alle Sanitäterinnen und Sanitäter bis hin zu unseren Topspezialisten in den klinischen Fächern.

Deshalb gehört ein Gastkommentar zur Schärfung unseres soldatischen Selbstverständnisses mit dem Titel „Führen, Ausbilden und Erziehen!“ genau in dieses Sonderheft zum Thema Zukunft der Militärchirurgie.

Dr. Hans-Ulrich Holtherm
Generalstabsarzt