Editorial
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!
Das Fachgebiet Pathologie durchlief in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel. Während zuvor überwiegend morphologische Methoden im Fokus standen, wird unsere Diagnostik heute um Einblicke in die molekularen Grundlagen von Erkrankungen ergänzt. Mit der Möglichkeit, das Ansprechen auf zielgerichtete Therapien durch umfassende molekulare Diagnostik präzise vorhersagen zu können, wird die aktive Rolle von Pathologinnen und Pathologen in Tumorboards und als Ansprechpartner für die klinischen Kolleginnen und Kollegen signifikant gestärkt. Die Zeiten der „postmortalen Besserwisserei“ sind endgültig vorbei!
Die Behandlung maligner Tumorerkrankungen ist ein wesentlicher Stützpfeiler für die Aufrechterhaltung chirurgischer, aber auch konservativ-medizinischer und diagnostischer Expertise im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Nicht nur die jüngste Einführung von Mindestmengen für die chirurgische Behandlung von Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs hat gezeigt, dass an den Bundeswehrkrankenhäusern eine starke interdisziplinäre Krebsmedizin auf dem Niveau von zertifizierten Organkrebszentren vorzuhalten ist. Die im Systemverbund bestehenden Zentren für Darmkrebs, urologische Tumoren und Kopf-Hals-Tumoren beweisen, dass dieses Ziel erreichbar ist.
In der interdisziplinären Krebsmedizin kommt der Pathologie eine zentrale Rolle zu, und eine qualitätsgesicherte und umfassende molekulare Diagnostik ist Bestandteil der aktuellen S3-Leitlinien fast aller Tumorerkrankungen. Aktuell werden viele dieser Leistungen bei nicht einheitlichen Qualitäts- und Datenschutzstandards und verbunden mit hohen Kosten im zivilen Bereich erbracht. Während wir vor einiger Zeit an dieser Stelle dazu aufriefen, diese Leistungen zentral an der akkreditierten Pathologie und Molekularpathologie am BwKrhs Ulm zu bündeln, können wir in der aktuellen Ausgabe eine erste Auswertung der extern übersandten Gewebeproben vorlegen. Die Ergebnisse zeigen aus unserer Sicht deutlich, dass eine zentrale, umfassende und qualitätsgesicherte Molekularpathologie zu einer Verbesserung der Diagnosesicherheit und damit auch der klinischen Versorgung im Systemverbund der Bundeswehrkrankenhäuser führt – auf einem Niveau, dass eine nahtlose Integration unserer Befunde in molekulare Tumorboards (z. B. der Charité oder des Comprehensive Cancer Center Ulm) ermöglicht, und zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten.
Die synergistische Nutzung gemeinsamer Strukturen ist für mich beispielgebend für das Zusammenwirken im Systemverbund der Bundeswehrkrankenhäuser. Ich möchte Sie dazu einladen, gemeinsam mit den Pathologinnen und Pathologen der Bundeswehr den Weg in die „morpho-molekulare“ Zukunft zu gehen und die interdisziplinäre Versorgung der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nun viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe Ihrer WMM.
Ihr
Prof. Dr. Dr. Konrad Steinestel
Oberstarzt
Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Klinischer Direktor Abt. XIII - Pathologie, Molekularpathologie