ÜBERGABEAPPELL IN GARCHING

Zentrales Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München unter neuer Leitung

Am 23. März 2022 wurde der Leiter des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München, Oberstapotheker Dr. Thomas Zimmermann, in den Ruhestand verabschiedet. Auf dem Rathausplatz der Stadt Garching bei München, dem Standort der Dienststelle, übertrug der Stellvertreter des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und Kommandeur Gesundheitseinrichtungen, Generalstabsarzt Dr. Stephan Schoeps, im Rahmen eines öffentlichen Appells die Leitung des Instituts an Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert.

Rückblick

Eine Dekade lang leitete Oberstapotheker Dr. Zimmermann die Geschicke des wehrpharmazeutischen Schwerpunktinstituts, das in der Bundeswehr für vielfältige pharmazeutische, chemische und veterinärmedizinische Untersuchungen zuständig ist und mit seinen Vorläuferdienststellen auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken kann. Es lohnt sich deshalb, einen kurzen Blick auf die Geschichte und die Aufgaben des Instituts zu werfen.

Bereits im Jahr 1958 wurde als erste sanitätsdienstliche Untersuchungseinrichtung am Standort München eine Chemische und Veterinärmedizinische Untersuchungsstelle im Wehrbereich VI mit Sitz in der Dachauer Straße aufgestellt. 1965 folgte eine Umgliederung in das Institut für Wehrpharmazie und Lebensmittelchemie mit den Abteilungen Pharmazie, Lebensmittelchemie und Toxikologie. 1967 wurde zusätzlich die Medizinische Untersuchungsstelle in der Münchener Tengstraße angegliedert. Zum heutigen Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München (ZInstSanBw München) wurden die beiden selbstständigen Dienststellen schließlich im Jahr 1985 zusammengefasst. Das Institut bestand von nun an aus den sieben Fachbereichen Pharmazie, Lebensmittelchemie, Ökochemie, Radiochemie/Radiologie, Kampfstoffanalytik, Medizin und Veterinärmedizin.

Der Umzug in die Fröttmaninger Heide, nördlich des Münchner Stadtrandes am Standort Garching erfolgte 1999, nachdem bereits 1993 die Entscheidung für einen Institutsneubau gefallen war. In weiterer Folge wurde das ZInstSanBw München in den 1990er Jahren, 2004 und zuletzt im Oktober 2017 unter Einnahme der Zielstruktur 2020 verschiedenen Umstrukturierungen unterzogen, die zur aktuellen Struktur mit einer Außenstelle in Koblenz, einer Laborgruppe in Munster und drei Abteilungen am Standort Garching führten.

Oberstapotheker Dr. Thomas Zimmermann trat am 30. März 2022 in den Ruhestand. Er leitete das ZInstSanBw seit 2012.

Zum Abschied von Oberstapotheker Dr. Zimmermann

Oberstapotheker Dr. Zimmermann kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere im Sanitätsdienst der Bundeswehr zurückblicken. Nach dem Studium der Pharmazie in Freiburg und der Lebensmittelchemie in Bonn führte sein Weg zunächst nach Koblenz. Er übernahm die Leitung des Labors für chemische Toxikologie und war stellvertretender Laborleiter Pharmazie und Lebensmittelchemie am ZInstSanBw in Koblenz. In diese Zeit fällt auch seine Promotion im Arbeitskreis von Prof. Dr. Hans Büning-Pfaue, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Es folgten Verwendungen als Dezernent für Pharmazie und Lebensmittelchemie im Sanitätsamt der Bundeswehr, eine Reihe von Referentenverwendungen im Bundesministerium der Verteidigung, in der Folge für Ernährungsmedizin, Ernährungsphysiologie und angewandte Ernährungswissenschaft, für wehrmedizinische Forschung und Entwicklung, Forschungscontrolling und Ernährungsmedizin sowie für Lebensmittelchemie und -überwachung. In einer kurzen Zwischenverwendung war er auch als Adjutant des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr eingesetzt.

Im Jahre 2001 führte ihn sein Weg zurück in die Praxis, zunächst als Abteilungsleiter der Abteilung Pharmazie und Lebensmittelchemie/Ökochemie und stellvertretender Institutsleiter des ZInstSanBw Koblenz, anschließend als Leiter der Abteilung IV (Pharmazie) am ZInstSanBw München. Nach zwischenzeitlicher Funktion als kommissarischer Institutsleiter war er seit 2012 Institutsleiter und Abteilungsleiter B des Instituts. Oberstapotheker Dr. Zimmermann absolvierte drei Auslandseinsätze in Afghanistan und ist Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold.

Tradition und Wissenschaft

Dr. Zimmermann lag eine zeitgemäße Traditionspflege in der Bundeswehr am Herzen. Die in Gegenwart von Angehörigen der Familie Probst erfolgte Benennung der Bundeswehr-Liegenschaft „Hochbrück“ in „Christoph-Probst-Kaserne“, einem Mitglied der Münchener Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, im Jahr 2019, war ganz wesentlich sein Verdienst.

Die Benennung der Liegenschaft Hochbrück in „Christoph-Probst-Kaserne“ am 6. November 2019 ist ganz wesentlich der Initiative von Dr. Zimmermann zu verdanken.

Eine zweite Herzensangelegenheit von Dr. Zimmermann war die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Hier ist besonders der jährlich veranstaltete Posterpreis zu nennen. Der erstmalig im Jahre 2016 als „Posterpreis Lebensmittelchemie“ veranstaltete Wettbewerb gibt dem lebensmittelchemisch-wissenschaftlichen Nachwuchs am ZInstSanBw München ein Forum, auf dem dieser seine Arbeitsergebnisse vorstellen kann. Ein verstärkter Fokus auf Interdisziplinarität im Sinne des One-Health-Ansatzes zeichnete sich bereits im Jahr 2018 ab, als der Wettbewerb als „Posterpreis für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit“ veranstaltet wurde. Seit 2020 stellt sich der Nachwuchs dem jetzt so benannten Wettbewerb um den „Posterpreis der Christoph-Probst-Kaserne“. Es war der Wunsch von Oberstapotheker Dr. Zimmermann, mit dem Preis die Förderung, aufrechter, mutiger und couragierter Staatsbürger in Uniform im Sinne der Ideale von Christoph Probst zu ermöglichen. Deshalb wurden zusätzlich zu den bis dahin enthaltenen fachlichen Inhalten auch Innere Führung und politische Bildung mit in den Fokus genommen.

Netzwerke

Die Bedeutung einer umfassenden fachlichen Vernetzung wurde von Dr. Zimmermann immer wieder betont. Im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit konnten hier besonders Nachwuchsfachkräfte profitieren. Dr. Zimmermann gelang schon zu Beginn der Corona-­Pandemie der Schulterschluss im Gesamtverbund der praktischen Gesundheitsversorgung. In einem Kooperationsprojekt der Abteilung XXI – Mikrobiologie/Krankenhaushygiene – des Bundeswehrkrankenhauses Ulm und der Abteilung Veterinärmedizin des ZInstSanBw München am Standort Garching wurde ein Screeningverfahren zur SARS-CoV-2-Diagnostik mittels Real-Time-PCR-Verfahren etabliert und somit damals noch knappe Laborkapazitäten auf diesem Gebiet in der Region Südbayern erweitert.

Abschied

Am 1. April 2022 begann für Dr. Zimmermann ein neuer Lebensabschnitt, diesmal ohne Sanitätsdienst und Wehrpharmazie. Nach fordernden Dienstjahren, in denen er alle sein Kraft in die Leitung und Lenkung des Instituts investierte, kann er sich nun seiner Familie und seinen vielen sportlichen Aktivitäten wie Radfahren und Skifahren widmen. Die Institutsangehörigen des ZInstSanBw München wünschen ihn hierbei alles Gute, eine stabile Gesundheit sowie erholsame Stunden im Kreise seiner Familie. Auf ein Wiedersehen, z. B. bei einer der nächsten Veranstaltungen, freuen sie sich schon jetzt.

Ausblick

Mit dem neuen Dienststellenleiter, Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, kommt ein erfahrener fachlicher Spezialist an das Institut, der mit der Dienststelle seit vielen Jahren eng vertraut ist. Als ehemaliger stellvertretender Institutsleiter und Abteilungsleiter der Abteilung C – Pharmazie – kann er auf einen großen Fundus an Wissen über Hintergründe und Abläufe an der Dienststelle zurückgreifen. Viele der militärischen und zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ihm persönlich bekannt. Nach mehreren Zwischenverwendungen im Kommando Sanitätsdienst, dem Bundesministerium der Verteidigung bzw. dem Bundesministerium für Gesundheit geht er gut vorbereitet an diese neue Aufgabe heran. Die Angehörigen des Instituts freuen sich auf die Zusammenarbeit mit ihrem neuen Chef.

Verfasser

Oberstabsarzt Dr. Sascha Gonder

Zentrales Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München

E-Mail: saschagonder@bundeswehr.org