3rd Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in an International Military Context 2022
Vom 25. bis 26. August 2022 fand in Hamburg das “3rd Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in an International Military Context“ statt. Veranstalter war die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie mit tatkräftiger Unterstützung von Mitarbeitern des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg. Mit dem dritten Durchgang dieses Symposiums in Hamburg (erstmalig im Jahr 2016, danach im Jahr 2019) hat sich bereits jetzt ein traditionelles Format entwickelt, das der Sonderstellung des Fachbereichs Tropenmedizin des BwKrhs Hamburg am Bernhard-Nocht-Institut Rechnung trägt. In diesem Jahr hatte die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg dankenswerterweise Räumlichkeiten für die Tagung zur Verfügung gestellt. Für dieses international ausgeschriebene Symposium hatten sich über 80 Teilnehmer aus 19 Ländern angemeldet, um sich mit den unterschiedlichen Themenbereichen aus der Tropenmedizin und der Infektiologie zu beschäftigen.
In der ersten Plenarsitzung berichtete Dr. Le Dault aus Frankreich über die Risikobewertung von Infektionskrankheiten bei aus Einsätzen rückkehrendem Militärpersonal (Abb.1). In diesem Zusammenhang wurde z. B. das Folgerisiko für Dengue Fieber als hoch eingestuft, da die Überträgermücke Aedes albopictus in Frankreich endemisch ist. Andererseits wurde auf durch Aerosol verbreitete Erkrankungen wie z. B. Tuberkulose oder Influenza hingewiesen. Dr. Burns aus Großbritannien referierte über die insgesamt überraschend häufig aufgetretenen Infektionskrankheiten bei der militärischen Evakuierungsoperation im August 2021 am Kabul International Airport – das medizinische Team war eher auf Traumatologie ausgerichtet – und wies ebenfalls auf die hohe Prävalenz von Tuberkulose hin. Per Video hochaktuell wurde aus der Ukraine über die multiresistente Keimbesiedelung von Kriegswunden berichtet. Außerdem informierten die anwesenden ukrainischen ärztlichen Kolleginnen über einen Ausbruch durch einen Vakzin-abgeleiteten Poliovirus Typ-2 bei suboptimaler oraler Polioimpfrate in der Bevölkerung.
Abb. 1: Dr. Erwan Le Dault aus Frankreich beim Vortrag
Auf Grund der Fülle angemeldeter Präsentationen musste das Programm nach dem Plenum in zwei Parallelsitzungen abgearbeitet werden. Dabei wurde ein breites Spektrum an Themen angeboten: von einer kritischen Zwischenbilanz zum Thema Covid-19 in Deutschland mit Vorstellung eines 5-Phasenmodells für ein zukünftiges pandemisches Management, über die Rolle des militärischen Sanitätsdienstes bei der Covid-19 Bekämpfung in Tunesien und eine Modellbildung zu diesem Virus für Westafrika bis zum per Video zugeschalteten Experten aus Belgien, der in einem interessanten Vortrag über die Verbesserung präventiver Maßnahmen für kurzfristig anberaumte militärische Auslandseinsätze sprach.
Weitere Themen reichten von der Einschleppung von Malaria-Fällen durch Militärpersonal nach Tunesien, einem Update zu einem tetravalenten Dengue-Impfstoff-Kandidaten, zur Prävalenz von Hepatitis C bei freiwilligen Blutspendern unter Rekruten der US Air Force, über intestinale Parasiten bei in den USA einreisenden Flüchtlingen aus Afghanistan und der Ukraine, zu einem ungewöhnlichen Ausbruch einer Cryptosporidiosis bei einer britischen Trainingsmission in Kenia, über unterschiedliche Mücken-Vektor-Dynamiken bei Bundeswehrcamps in Asien und Afrika bis hin zum Vergleich pulmonaler Tuberkulose bei alliierten Soldaten und bei der lokalen Bevölkerung in Südafrika.
Als ein Schwerpunkt innerhalb der verschiedenen Sitzungen entwickelte sich das Thema Modellierung des Verlaufes infektiologischer Erkrankungen, zu SARS-CoV-2 in Westafrika und Honduras, zu Cholera in Haiti sowie zu zukünftigen vom Klimawandel begünstigten potentiellen Entwicklungen von Malaria in Deutschland. Viele weitere interessante Inhalte kamen ebenfalls zur Sprache, ohne sie hier im Einzelnen aufzuzählen.
Zum Abschluss des ersten Symposiumtages gab es eine interaktive TED-Sitzung. Neben einem sehr kniffligen Tropendermatologie-Quiz wurden Publikumsfragen gestellt zu Vorträgen über den Biss einer giftigen Spinne in Mexiko (Abb. 2), zu einem komplex erscheinenden Patienten mit Abdominalschmerz sowie zu dem Fall eines Soldaten, der aus dem Auslandseinsatz aus Süd-Sudan zurückkehrte und bei dem sich die Diagnose eines Afrikanischen Zeckenbissfiebers ergab.
Abb. 2: Dr. Tina Ullmann befasste sich mit Wundheilungsstörungen nach Spinnenbiss.
Wie bereits während der Pausen zwischen den Sitzungen gab es beim Congress Dinner in entspannter Atmosphäre einen lebhaften Austausch über unterschiedliche Erfahrungen im internationalen Bereich. Alte Verbindungen wurden aufgefrischt und neue geknüpft.
Der zweite Symposiumstag war wiederum geprägt von exzellenten Vorträgen und regen Diskussionen. Beispielsweise berichtete Prof. Dr. Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut über ein „Early Warning System for Mosquito Borne Diseases in Germany“. Schließlich waren alle Teilnehmenden von der Möglichkeit begeistert, sich wieder in Präsenz zu treffen und miteinander zu diskutieren. Wiederholt wurde vor allem von den internationalen Teilnehmern darum gebeten, dieses Symposium auch weiterhin durchzuführen, und so geht die feste Planung dahin, das „4th Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in an International Military Context“ im Jahr 2024 in Hamburg zu veranstalten.
Generalarzt a. D. Dr. Joachim Hoitz, Hamburg