Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

mit großer Freude darf ich Ihnen die aktuelle Ausgabe der Wehrmedizinischen Monatsschrift präsentieren, die in einem besonderen Licht steht. Der Umzug des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe im Oktober 2022 an den neuen Standort in Köln-Lind war ein Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen, hochmodernen und zukunftsweisenden europäischen Campus für Luft- und Raumfahrtmedizin. Die strategische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie zur European Space Agency (ESA) eröffnet uns einzigartige Kooperationsmöglichkeiten, die in dieser Ausgabe exemplarisch beleuchtet werden.

Der Hauptbeitrag dieses Heftes nimmt Sie mit in die Historie der Flugmedizin in der Bundeswehr vom Beginn in Fürstenfeldbruck, der Wiege der Deutschen Luftwaffe, bis an den neuen Standort in Köln-Lind. Zugleich beleuchtet er die zahlreichen Facetten des „Teams Flugmedizin“ mit ihren vielfältigen Aufgaben. Der Campus für Luft- und Raumfahrtmedizin mit seinen Kooperationspartnern wird ebenso vorgestellt wie die unterschiedlichen Fachdisziplinen, die zum „Team Flugmedizin“ gehören.

Die medizinische Risikostratifizierung stellt im Rahmen der Wehrfliegerverwendungsfähigkeiten einen wesentlichen Baustein für die Erhöhung der Flugsicherheit dar. Güttler und Kollegen zeigen anhand von Analysen auch unter dem Einsatz moderner Ansätze von Modellen der künstlichen Intelligenz, wie dies im Bereich von internistischen Erkrankungen erfolgen kann.

Ein herausragendes Beispiel für die möglichen Synergien in der Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern ist der Beitrag von Dietlein und Kollegen, der aufzeigt, wie Er­kenntnisse aus der Weltraumexpeditionsmedizin auf das ­Gefechtsfeld übertragen werden können. Diese interdisziplinäre ­Zusammenarbeit ist nicht nur innovativ, sondern auch hochrelevant für die Weiterentwicklung sanitätsdienstlicher Strategien in extremen Versorgungssituationen.

Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen erstmals eine umfassende Auswertung aus 20 Jahren strategischem Verwundetenlufttransport aus flugmedizinischer Sicht präsentieren zu können. Der Beitrag von Jagel und Kollegen bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Erfolge der luftgestützten medizinischen Evakuierung, die für Weiterbehandlung und Wiedererlangung der Gesundheit nach Erkrankung, Verletzung und Verwundung unserer Einsatzkräfte von zentraler Bedeutung sind.

Ein weiterer Höhepunkt dieser Ausgabe ist der Erfahrungsbericht des Kollegen Nüsse, der als Fliegerarzt die Weltraummission von Matthias Maurer auf die ISS begleiten durfte. Seine Erlebnisse und Erkenntnisse aus dieser spannenden Tätigkeit verdeutlichen die Vielseitigkeit und die Herausforderungen aber auch die Faszination, die die Luft- und Raumfahrtmedizin mit sich bringt.

Abgerundet wird das Heft durch einen Beitrag über den militärischen Such- und Rettungsdienst (SAR) der Bundeswehr, ein Thema, das im fliegerärztlichen Bereich oft eher weniger Beachtung findet, jedoch auch eine wichtige Facette des Teams Flugmedizin darstellt.

Insgesamt unterstreicht diese Ausgabe die besondere Rolle, die die Flugmedizin für die Flugsicherheit spielt. Die enge Verzahnung von Forschung, Erprobung, Praxis und interdisziplinärer Zusammenarbeit ist in Verbindung mit der tiefen Integration in die fliegenden Verbände der Schlüssel, um die aktuellen und künftigen Herausforderungen der Luft- und Raumfahrtmedizin zu meistern und die Sicherheit unserer Luftfahrzeugbesatzungen in den unterschiedlichsten Szenarien zu gewährleisten.

Dr. Bernhard Groß

Generalarzt der Luftwaffe