Früchte der zivil-militärischen Zusammenarbeit

Daniel Valentin Hötkera,d, Klaas Franzenb, Jost Steinhäuserc

a Sanitätsstaffel Einsatz Oldenburg in Holstein
b Innere Medizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
c Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
d Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

Einleitung

Zeitgleich mit dem Fachkongress 2021 für Allgemeinmedizin in Lübeck wurde die Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Allgemeinmedizin (IfA) der Universität zu Lübeck und der Bundeswehr intensiviert [1]. Anlässlich des Forschungsprojektes „Institutionalisierung von Forschung in der Bundeswehr mit dem Schwerpunkt Allgemeinmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg“ wurde in der Folge eine direkte Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen beschlossen.

In diesem Zusammenhang wurde ein Projektoffizier beauftragt, um unter anderem Schnittstellen für gemeinsame Veranstaltungen zwischen der Bundeswehr und dem IfA zu identifizieren und sichtbar zu machen. Vor diesem Hintergrund fand am 11. Juli eine Lehrinformationsveranstaltung zwischen Studierenden und Dozierenden der Universität zu Lübeck sowie der Sanitätsstaffel Einsatz Oldenburg in Holstein in der Wagrien-Kaserne Putlos statt. Dabei erlebten die Teilnehmenden aus verschiedenen Fachbereichen, unterschiedlichen notfallmedizinischen Hintergründen und Fachsemestern zusammen einen intensiven Fortbildungstag, bei dem alle in die Welt der militärmedizinischen Wundversorgung und Rettungskonzepte eintauchen konnten.

Hintergrund

In der zivilen Rettungsmedizin stellen Großschadenslagen die Rettungskräfte vor enorme Herausforderungen. Ein Arbeiten mit limitierten Ressourcen kann Paradigmen der Individualmedizin an ihre Grenzen bringen. Vor diesem Hintergrund nimmt die Bedeutung einer zivil-militärischen Zusammenarbeit zu. Dabei lernen zivile Rettungskräfte von den wertvollen, jahrelangen Erfahrungen und strukturellen Fähigkeiten, die im Bedarfsfall aus dem militärischen Bereich übernommen und mitgenutzt werden können.

Auch außerhalb des IfA ist der Ansatz der interprofessionellen Lehre eine Besonderheit der Universität zu Lübeck. So auch in der Inneren Medizin, von der ein interprofessionelles notfallmedizinisches Wahlfach seit 2023 zum Thema „Lebensbedrohliche Einsatzlage“ angeboten wird. In diesem Wahlfach werden Studierende aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Franzen, Oberarzt und PJ-Beauftragter für Innere Medizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, im Umgang mit notfallmedizinischen Szenarien geschult. Das Wahlfach 2024 endete am 6. Juli mit einer gemeinsamen Großübung mit Mitarbeitenden von UKSH, zivilen Rettungsdiensten, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk.

Des Weiteren wird an der Universität zu Lübeck am Institut für Allgemeinmedizin (IfA) UKSH Campus Lübeck unter der Leitung von Prof. Jost Steinhäuser, stellvertretender Studiengangsleiter Humanmedizin, im Wahlfach „Rural Remote Care“ seit über fünf Jahren für Studierende der Humanmedizin die breite Vermittlung von klinischen Untersuchungstechniken, Prozeduren und Kommunikationstechniken angeboten [2].

Lehrinfomationsveranstaltung am 11. Juli 2024

Vor dem Hintergrund der oben skizzierten Aktivitäten fand am 11. Juli eine Lehrinformationsveranstaltung zwischen Studierenden und Dozierenden der Universität zu Lübeck und der Sanitätsstaffel Einsatz Oldenburg in Holstein in der Wagrien-Kaserne Putlos statt. Unterstützt wurde diese von Frau Flottenarzt Streier, Leiterin des Sanitätsunterstützungszentrums Kiel.

Vormittag: Schulung in akuter Wundversorgung

Der Ausbildungstag begann mit einer theoretischen Einführung in die Tactical Combat Casualty Care (TCCC-)Grundlagen. Unter Anleitung von Oberfeldarzt Hauenstein und seinem Team der Sanitätsstaffel Einsatz wendeten die Teilnehmenden essenzielle Fertigkeiten, die im Ernstfall Leben retten können, an. Im Fokus standen Techniken zur Blutstillung, die Anwendung von Tourniquets sowie das Anlegen von Verbänden. Theoretische Inputs wurden mit praktischen Übungen abgewechselt, bei denen die Studierenden und Dozierenden in realitätsnahen Szenarien trainieren konnten. Diese Übungen gewährten wertvolle Erfahrungen und Einblicke in die Herausforderungen, denen sich das militärische Sanitätspersonal im Einsatz stellen muss. Gleichzeitig boten sie den Teilnehmenden Einblick in ihre notfallmedizinischen Erfahrungen.

Nachmittag: Demonstration der Rettungsstation

Der Nachmittag stand im Zeichen der Demonstration der Rettungsstation. Die Teilnehmenden erhielten eine detaillierte Einführung in die Struktur und Funktionsweise der Rettungsstation. Von der Erstaufnahme über die Stabilisierung der Patienten bis hin zur Vorbereitung für den Transport in weiterführende medizinische Einrichtungen – jeder Schritt wurde anschaulich erklärt. Anschließend erfolgte eine Live-Präsentation der Versorgung mehrerer Patienten durch die Sanitätsstaffel. Mit einem Krankentransportwagen wurden fünf Patienten herangefahren und zunächst durch einen Sanitätsoffizier erstgesichtet sowie triagiert. Anschließend erfolgte eine möglichst realistische Versorgung in der Rettungsstation unter der Beobachtung der Teilnehmenden.

Abb. 1: Rettungsstation im Übungsbetrieb mit Studierenden der Humanmedizin. Eine effektive Form der zivil-militärischen Zusammenarbeit (Bild: Bundeswehr/Hötker)

Im Anschluss an die Präsentation bestand die Möglichkeit, die am Vormittag erlernten Fertigkeiten direkt in der Rettungsstation zu vertiefen. Die Studierenden und Dozierenden erfuhren, wie die theoretischen Kenntnisse und praktischen Übungen in einem realen Einsatzszenario ineinandergreifen. Diese praxisnahe Erfahrung bot einen Einblick in die lebensrettende Arbeit des militärischen Sanitätspersonals und unterstrich die besonderen Herausforderungen der militärischen medizinischen Versorgung.

Fazit

Der Ausbildungstag in der Kaserne in Putlos konnte wertvolle Erfahrungen für den Austausch zwischen militärischen und zivilen Akteuren ermöglichen und förderte das gegenseitige Verständnis sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit. Die Kombination aus theoretischer Schulung, praktischen Übungen und der Demonstration der Rettungsstation zeigte den Teilnehmenden der Universität zu Lübeck ein umfassendes Bild über die Fertigkeiten der Sanitätsstaffel. Diese Initiative ist ein erster Schritt in Richtung zukünftiger möglicher gemeinsamer Lehrveranstaltungen. Sie verdeutlicht die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen der zivilen notfallmäßigen Versorgung und der medizinischen Versorgung der Bundeswehr.

Literatur

  1. Neuhoff M, Steinhäuser J, Jendyk RM: Synergiepotenziale in der Weiterbildung und Versorgung zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und der Allgemeinmedizin – ein Workshopbericht. Z Allg Med 2022; 98: 59–61. mehr lesen
  2. Steinhäuser J: Praxisskills Allgemeinmedizin, Berlin Springer 2023.

Verfasser

Oberstabsarzt Dr. med. Daniel Hötker
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Projektoffizier InstAllgMed und Sprecher
Weiterbildungs-assistenten im Fach Allgemeinmedizin
Lesserstr. 144, 22049 Hamburg
E-Mail: danielhoetker@bundeswehr.org