Editorial

Sehr geehrte Leserin,

sehr geehrter Leser,

die Versorgungsqualität von Menschen mit chronischen Wunden ist in Deutschland weiterhin nicht einheitlich. Die vielfältigen Ursachen stellen für das Behandlungsteam oftmals eine große Herausforderung dar. Eine Beteiligung multiprofessioneller und interdisziplinärer Versorgungsstrukturen ist notwendig. So ist es nicht verwunderlich, dass es insbesondere bei schwierigen oder auch mehrfach vortherapierten Patient:innen zu Unklarheiten in der Behandlung oder gar übersehenen Diagnosen kommt.

Daher ist es uns eine besondere Freude, Ihnen diese Ausgabe zu präsentieren, in der wir neben einem allgemeinen Übersichtsartikel besondere Fälle aus dem Leben von Behandelnden mit eben solchen Wundpatienten beschreiben.

Stellen Sie sich vor, Sie schlüpfen in die Rolle einer Detektivin bzw. eines Detektivs. Entwickeln Sie eine Spürnase, welche Ursache der chronischen Wunde zugrunde liegen könnte. Geben Sie nicht auf, bis Sie für sich und Ihre Patienten die Antworten gefunden haben, mit denen Sie das „Wundrätsel“ lösen können. Haben Sie keine Scheu davor, Ihre Wund-Partner zu fragen und mit diesen gemeinsam die Lösung des Rätsels zu finden. Teamarbeit lohnt sich hier ganz besonders!

Was müssen wir also gemeinsam tun? – Lassen Sie uns die Wunde von allen Seiten beleuchten.

Hier kommt es nicht selten – neben einer vollständigen standardisierten Diagnostik – auf ein gutes Gespür an. Nur so kann verhindert werden, dass Therapieoptionen übersehen werden oder die Ursache nicht therapiert wird. Manchmal ist es jedoch unmöglich, die betroffene Extremität zu erhalten. Gerade in solchen Fällen kommt es auf eine gute Überführung in das ambulante Setting mit einer möglichst lückenlosen Versorgung an.

Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin verfolgt seit 2014 das Ziel, die Versorgungsqualität von Patienten mit chronischen Wunden stetig zu verbessern. Seitdem wird es dafür mit dem ICW Wundsiegel als Wundzentrum Dermatologie und Gefäßchirurgie ausgezeichnet.

Insbesondere die jüngsten Entwicklungen mit geflüchteten Menschen aus der Ukraine oder auch anderen Ländern führen zu einem Anstieg dieser chronischen Wundpatienten, welche nicht selten mit multiresistenten Erregern besiedelt oder gar infiziert sind und bringen neue und besondere Herausforderungen in der Behandlung und Versorgung mit sich.

Durch weitere neue Auslandseinsätze der Bundeswehr ist auch bei militärischem Personal der Bundeswehr vermehrt mit dem Auftreten von großen Weichteildefekten und der Entwicklung chronischer Wunden zu rechnen. Daher ist die Versorgung komplexer chronischer Wunden nach Traumata oder durch Infektionskrankheiten einsatzmedizinisch relevant.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und einen Einblick in die besondere Welt der chronischen Wunde. Vielleicht gelingt es uns ja, unsere Begeisterung auf Sie zu übertragen.

Miriam Vosloo und Tina Uhlmann

Interdisziplinäres Wundzentrum
am Bundeswehrkrankenhaus Berlin