Das Human Performance Programm im fliegerischen Dienst der Bundeswehr – Erkenntnisse aus der „TOP GUN“-Studie

Stefan Sammitoa, b, Raphael Kneffela

a Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe, Köln
b Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Bereich Arbeitsmedizin

Einleitung

Moderne Luftfahrzeuge der Bundeswehr stellen hochkomplexe Anforderungen an Mensch und Maschine und erfordern eine immer komplexer werdende Mensch-Maschine-Interaktion. Die Auftragserfüllung im fliegerischen Dienst ist maßgeblich abhängig von der individuellen Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Angehörigen. Gemäß einer „Zero Loss“-Philosophie sind präventive Maßnahmen im fliegerischen Dienst so einzusetzen, dass Verluste und Ausfälle von Mensch oder Material möglichst verhindert werden. Aus diesem Grund wurde in der Bundeswehr das „Human Performance Enhancement (HPE) und Optimization (HPO)-Programm für den Fliegerischen Dienst der Bundeswehr“ mit dem Konzept K1–9000/2056 eingeführt. Ergänzende Basistestungen sollen der regelmäßigen Evaluierung des individuellen Leistungsstandes und als Ausgangspunkt für die Festlegung der leistungsorientierten (Trainings-)Maßnahmen dienen. Für die vorgesehenen Testverfahren existieren jedoch einerseits nur Referenzwerte aus dem Spitzensportbereich, andererseits Empfehlungen für die bundesdeutsche Bevölkerung. Ziel der vorliegenden Studie war es, für eine Gruppe von Luftfahrzeugführer (LFF), welche in den jeweiligen Geschwadern zu der Leistungsspitze gehört, mittels der für das HPO-Programm vorgesehenen Testungen der Basismodule „Fitness“ und „Ernährung“ Referenzdaten zu erlangen, welche eine Abschätzung der Performance in der Leistungsspitze aller LFF ermöglicht.

Material und Methoden

Die Kommandeure der Jetverbände sowie des Kampfhubschrauberregiments 36 wurden gebeten, ihre im jeweiligen Verband zur Leistungsspitze gehörigen LFF freiwillig an einer Testung entsprechend der Basismodule „Fitness“ und „Ernährung“ mittels anthropometrischer Messung einschließlich Körperfettanteil sowie einem Rumpfkrafttest mittels Magglinger-Tests und eines Ernährungsfragebogen teilnehmen zu lassen. Das Ergebnis des letzten Basis-Fitness-Tests wurde zusätzlich hinzugezogen. Die Testungen erfolgten im Zeitraum Juni bis Oktober 2023 mit einem dafür geschulten Studienteam unter Zuarbeit der jeweiligen HPO-Teams in den Geschwadern vor Ort. Alle Probanden wurden hinsichtlich des Studienziels mündlich wie schriftlich aufgeklärt, es lag ein positives Votum der zuständigen Ethikkommission sowie ein positives Datenschutzvotum vor.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 37 männliche Probanden (22 LFF Jet, 15 LFF Hubschrauber) mit einem Altersmedian von 32,0 Jahren (IQR 9,0 Jahre) teil. Für alle Bereiche (Body-Mass-Index, Taillenumfang, Waist-to-Height-Ratio, sowie für die ventrale, dorsale und laterale Rumpfkrafttestungen) zeigten sich deutliche Abweichungen zu bestehenden Referenzwerten aus dem Spitzensport. So waren die untersuchten LFF in einzelnen Tests leistungsstärker, aber auch leistungsschwächer als die Gruppe der Spitzensportler. Im Bereich der Ernährung zeigte das Kollektiv deutlichen Verbesserungsbedarf für das Einhalten der grundsätzlichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Diskussion

Die nun vorliegenden ersten Ergebnisse lassen sich für zukünftige Basistestungen im Rahmen des HPE/HPO-Programmes nutzen. Luftfahrzeugspezifische Testungen sind aber darüber hinaus notwendig, um den arbeitsplatzbedingten Unterschied zwischen den unterschiedlichen Anforderungen im Jet, Fläche und Hubschrauber gerecht zu werden.

Fazit

Die vorliegende Untersuchung zeigt eindrücklich, dass Referenzwerte aus dem Spitzensportbereich nur bedingt bis gar nicht für Fragestellungen im militärischen Kontext, hier im Besonderen für den fliegerischen Dienst der Bundeswehr, als Referenzwerte genutzt werden können. Für ähnliche Fragestellungen (z. B. für Spezial- und spezialisierte Kräfte) gilt es daher, eigene Referenzwerte zu bestimmen.

Literatur

1. Generalarzt der Luftwaffe: Fachliche Weisung des Generalarztes der Luftwaffe: Durchführung von Human Performance Enhancement und Optimization (HPE/HPO) im fliegerischen Dienst der Bundeswehr (Version 1.0). Köln, 23. Januar 2024.

2. Kommando Luftwaffe: Human Performance Enhancement (HPE) und Optimation (HPO) für den Fliegerischen Dienst in der Bundeswehr (Version 2.0). Gatow, 2. April 2020.

Für die Verfasser
Oberfeldarzt Prof. Dr. med. habil. Stefan Sammito
Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe
Flughafenstraße 1, 51147 Köln-Wahn
E-Mail: stefansammito@bundeswehr.org